Ein furchtbares Spiel – und doch vergnüglich

Gestern war ich live in der Münchner Arena beim EM-Spiel Dänemarkj gegen Serbien. Es war entsetzlich. Ich weiß wirklich nicht, ob ich es ohne die nette Gesellschaft ausgehalten hätte.. Gesellschaft, die ich zuvor nicht kannte, sondern nur von einem anderen Blog, wo die Leserin „Clubwanze“, die auch hier schon  (zu selten!) kommentiert, Karten angeboten hat für besagtes Spiel. Gewissermaßen also ein Blind Date, und es ist schon witzig, wenn aus dem Nickname erst ein Klarname wird, der Klarname dann am Telefon auch eine Stimme bekommt und gestern dann in Natura vor einem steht („Du erkennst mich an meinem grünen Deutschland-Trikot“).

Zum Spiel: Ich kann mich an keine schlechtere Partie erinnern, die ich live vor Ort gesehen habe, und ich habe Schlimmes gesehen. Bei 60, bei Energie Cottbus. Das von dieser Elend Gruppe jetzt drei Mannschaften weiterkommen, ist der Treppenwitz schlechthin. Ich hab auch zur Clubwanze gesagt. Die ganze Gruppe wird disqualifiziert wegen Seelischer Grausamkeit, Und dafür dürfen wir die Schotten noch mal sehen und die Georgier. Und die Griechen fliegen wir ein, aber natürlich nur, wenn Otto Rehakles Rehagel auf der Bank sitzt..
Völlig unverständlich waren für mich die Serben, die als einzige dieser Gruppe unbedingt  ein Tor gebraucht haben und so überhaupt nichts, bis auf die letzten 10 Minuten darauf aus waren. Wenn Deutschland diese Dänen nicht weg schießt, verstehe ich die Welt nicht mehr. Einfach Katastrophe.

Zum Spiel passte die irre Abfahrt. Eine ruhige Stimme empfahl uns, nicht die U-Bahn zu nehmen, sondern einen Bus. Dem folgten wir, ein großer Fehler, denn Busse standen zwar da, doch keiner fuhr weg. Die stehen wahrscheinlich jetzt noch da. Irgendwann zogen wir die Reißleine und gingen doch zum U-Bahnhof. Dort war zwar ein irrsinniges Gedränge, aber wenigstens bewegte sich etwas. Ich bin ja jetzt oft schon auch von ausverkauften Stadion wieder per U-Bahn heimgefahren, aber so ein Chaos habe ich noch nie erlebt. Wenn das tatsächlich bei jedem Bayernspiel so chaotisch ist, dann habe ich wenigstens ein ganz kleines bisschen Verständnis für all jene, die 10 Minuten vor Schluss das Spiel verlassen, obwohl das ein absolutes Nogo ist.
Die Stimmung war anfangs gut, aber sie wurde immer müder, Kein Vorwurf an irgendeinen Fan, erstaunlich viele sind eh andauernd was trinken holen gegangen. Verständliches schön saufen nennt man so etwas wohl.

4 Finnen gewinnen

Blick über den Teich, NHL

FLORIDA PANTHERS* – Edmonton Oilers 2:1 (4:3)

Aus, vorbei, der Traum der Oilers vom märchenhaften Comeback, vom ersten Titel für Kanada seit 1993, für die Oilers seit 1990. Und für Leon Draisaitls fehlt immer noch die Kirsche auf der Sahnetorte seiner grandiosen Erfolgskarriere. Die Panthers feierten dagegen den ersten Triumph ihrer Geschichte, nachdem sie noch im vergangenen Finale an den Las Vegas Knights gescheitert waren. Carter Verhaeghe war mit einem Tor und einem Assist der Mann des Spiels.

„Meine Finnen“ gegen Leon Draisaitl, so habe ich meine Vorschau betitelt, natürlich absurd reduziert. Die Partie gehört jetzt nicht zu den Schmankerln, die Eishockey bieten kann. Eher ein Abnutzungskampf, ein survival of the fittest. Und da wirkten die Panthers munterer, spritziger als die doch sehr müde wirkenden Oilers, die ihr 107. Spiel seit Oktober bestritten. Jetzt war der Tank leer, das war vor allem in der Schlussphase evident, als sie zwar hochüberlegen auf den Ausgleich drängten, es aber vor allem auch an geistiger Frische fehlte. So gab es auch nur eine wirklich heikle Situation für die Panthers, als eine freiliegende Scheibe einfach nicht übers Tor bugsiert werden konnte. Schon vorher zeigte sich die Müdigkeit, als sie bei einer Überzahl zwar 2 Minuten im gegnerischen Drittel waren, aber nicht einen gefährlichen Schuss abgaben. Manchmal auch zu schön gespielt. Einfach auch mal drauflosschießen und auf einen Abfälscher Abpraller hoffen, hätte ich mir manches Mal gewünscht.

Draisaitl-Watch
Nach zwei überragenden Play-off-Runden baute der Kölner merklich ab. Es war klar erkennbar, dass er körperlich angeschlagen war. Die Rede war von Rippenprellung, sogar -Bruch und noch dazu ein gebrochener Finger in der Schlaghand. Keinen einzigen Treffer erzielte er in der Finalserie, absolut ungewöhnlich für ihn. Er ging Zweikämpfen möglichst aus dem Weg. Noch ließ er nicht offiziell verlauten, was ihm tatsächlich gefehlt hat. Ich bin gespannt. Gestern war er am Boden zerstört, sprach vom schlimmsten Tag seiner Karriere.
Wie es für Draisaitl weitergeht, steht noch nicht fest. Sein Vertrag mit den Oilers läuft aus. Mit 29 Jahren kann er vielleicht noch einen wirklich guten Vertrag abschließen. Aber viel wichtiger als Geld und eigene Statistiken ist dem Kölner der Stanley Cup, und das natürlich am liebsten mit seinen Oilers, seinem bisher einzigen NHL-Club. Die haben auch bewiesen, dass sie ein wettbewerbsfähiges Team haben, wo nach dem Katastrophenstart in die Saison am Ende ganz wenig zum Titel gefehlt hat. Sie haben mit McDavid den mit Abstand besten Spieler der Welt in ihren ReihenWenn ich tippen müsste: Draisaitl bleibt. Titelgewähr gibt es eh nicht nicht in der NHL, und allein die Vorstellung, die Oilers würden nächstes oder übernächstes Jahr ohne ihn die Trophäe holen, ist unvorstellbar und würde Leon Draisaitl sein Leben lang verfolgen.

Meine 🇫🇮 Finnen
4 Suomi-Spieler dürfen die Trophäe in ihrem Heimatland präsentieren: Alexander Barkov, Anton Lundell, Eero Luostarinen und Niko Mikkola. Lundell gab einen Assist zum 1:0. Barkov wiederum ist der erste gebürtige Finne, der als Kapitän den Stanley Cup überreicht bekam, und auch wenn er selbst nicht scorte, er leistete gerade gegen die Superstars Conor McDavid und Draisaitl extrem wichtige Defensivarbeit. Eine Loblied auf ihn auf der offiziellen NHL-Seite
https://www.nhl.com/news/aleksander-barkov-first-finnish-born-nhl-captain-to-win-stanley-cup

Und sonst?
– Conor McDavid wurde zum wichtigsten Spieler der Play-offs gewählt. Er ist erst der sechste Spieler und der zweite Feldspieler überhaupt, der als unterlegener Finalspieler diese Ehre erhielt. 42 Scorerpunkte, davon 34 Assists (NHL-Rekord, mehr als The Great One Wayne Gretzky) ließen kaum eine andere Entscheidung zu
– Erste Familien-Trophäe: Jetzt haben die Tkachuks endlich den Stanley Cup. Matthew hatte wesentlichen Anteil daran. Sein Vater Keith ist eine lebende Eishokcey-Legende, längst in der Hall of Fame, aber einen Titel hat er nie gewonnen. Auch Brady, ein anderer Sohn, kann keine Trophäe vorweisen. Insgesamt haben die Tkachuks 2391 NHL-Spiele absolviert.

 

Ruhe in Frieden, Günter Zapf

Die deutsche Stimme des Footballs

Das ist eine sehr traurige Nachricht. Günter Zapf, die  Reporter-Legende im US Sport, ist überraschend im Alter von nur 66 Jahren gestorben. Günter Zapf war die deutsche Stimme des Footballs, er hat mich wie so viele Football-Fans in den 90er-Jahren via Sky, damals Premiere, angeleitet, für die Sportart begeistert. Er war ja darüber hinaus ein Pionier des Footballs, hat bereits in den 70ern für die Munich Cowboys gespielt als beinharter Cornerback. Auch deshalb war er Fan der Dallas Cowboys. Sogar das konnte ich ihm verzeihen, obwohl ich die Cowboys nicht leiden konnte, weil ich zum damaligen NFC-Erzrivalen San Francisco 49ers hielt. Zusammen mit Andreas Renner und Florian Berrenberg war Günter Zapf wöchentlich bei den Football-Spielen zu hören, als es eben noch nicht so einfach war, sich über US-Kanäle zu versorgen, außer man wohnte im AFN-Bereich. Die markante Stimme, sein fundamentales Wissen, seine Liebe zum (Football)-Sport und sein Humor – sie werden nicht nur mir enorm fehlen. Neben Football hatte er vor allem auch für Wrestling ein Faible (das mir allerdings bis heute völlig abgeht). Aber auch im Baseball war er zu Hause, bis vergangenes Jahr noch bei ausgewählten Partien der MLB bei Pro7maxx zu hören.
Ich hatte das Vergnügen, Günter Zapf persönlich kennenzulernen. 2001 in Tampa/Florida, als die Berlin Thunder (damals NFL Europe) Berliner und Brandenburger Journalisten für eine Woche in ihr dortiges Trainings-Camp einluden. Wir haben uns sehr nett bei einem Bankett im Bucs-Stadion unterhalten, sein Humor war allgegenwärtig. Bis zuletzt war er regelmäßiger Gast in der Big Show und den Sofa Quarterbacks, wo er seinen Frust über seine längst nicht mehr so erfolgreichen Cowboys ausließ, vor allem der allmächtige Präsident Jerry Jones bekam sein Fett weg. Ansonsten auch hier: durch und durch profundes Wissen, immer aber gepaart mit einem Augenzwinkern.
Günter Zapf wird fehlen: mir, der wachsenden deutschen Football-Gemeinde, woran er großen Anteil hatte, und natürlich auch den Wrestling-Fans. Und  jeden, der mit ihm arbeiten durfte, mit dem begeisterten Golfer eine Runde drehte, der Familie und den Freunden.
RIP, Günter Zapf.

Das wird die Woche, die wird

Geschichte wird gemacht.

Schon heute Nacht gibt es den ersten Höhepunkt. NHL-Finale, Spikel 7, Florida Panthers gegen die Edmonton Oilers. Sunshine State vs Gretzky-Town, und für mich: „Meine Finnen gegen Leon Draisaitl. Und so sehr ich Alexander Barkow, Anton Lundell und auch allen anderen Floridarianer den Titel gönnen würde, mein Herz schlägt für die Oilers. Wegen Leon, vor allem aber wegen Kanada – das Eishockey-Land lechzt nach dem ersten Cup seit 1993. Und es wäre historisch, denn in der NHL-Geschichte hat erst eine Mannschaft einen 0:3-Rückstand gedreht, nämlich 1942 die Toronto Maple Leafs gegen die Boston Bruins. Schon den 0:3-Rückstand zu egalisieren, ist aller Ehren wert, aber jetzt muss der erste Schritt her

Es wird ernst bei der EURO

Von heute bis Mittwoch werden die Gruppenspiele abgeschlossen. Bis auf Polen hat noch jedes Team die Chance aufs Achtelfinale. Richtig zura Sache geht es dann im Achtelfinale ab Samstag. Deutschland spielt am Samstag um 21 Uhr im Berliner Olympiastadion gegen den Zweiten der Gruppe C, also England, Serbien, Dänemark oder Slowenien. Morgen ist in München die Partie Dänemark vs Serbien, ich werde live in der Arena sein. Gar nicht so unwahrscheinlich, dass der Sieger dieser Partie auf die Deutschen trifft, wenn nämlich gleichzeitig England nicht gegen Slowenien verliert.

Copa in den USA

Das Turnier hat gerade begonnen. 16 Teams sind dabei, alle Südamerikaner und 6 aus  Nord- und Mittelamerika. Die Gstgeber aus den USA sind mit einem ungefährdeten 2:0 gegen Bolivien gestartet. Richtig spannend ist es bisher nicht gewesen, und das erwarte ich auch niht in der Vorrunde.

Qualifikation für Wimbledon

Bevor es nächstgen Montag losgeht, steht in Rothenham die Qualifikation an.3 Runden gibt es bei Frauen und Männern zu überstehen.
Apropos Wimbledon: Novak Djokovic hat nur knapp 3 Wochen nach seiner OP heute dort trainiert. Sein Start ist noch nicht fix, aber er scheint finster entschlossen, es zu probieren. Ob es dann dort zum achten Sieg reicht, ist doch ziemlich zweifelhaft.

Außerdem sind die letzten Rasenturniere anberaumt. In Bad Homburg ist Jule Niemeier zwar in der Quali gescheitert, rückte aber wegen zahlreicher Absagen nach und gewann in der 1. Runde gegen die Top-10-Spielerin Maria Sakkari. Glück muss der Mensch haben. Ansonsten Turniere.

Und sonst?
– Formel 1 in Spielberg: Die zweite Station des Tripleheaders Barcelona, Österreich, Silverstone. Favorit ist natürlich Max Verstappen.
– Motorrad-WM in Assen. Eine der ganz bedeutenden Stationen des Jahres.
– US Trials in der Leichtathletik: Die Top 3 fahren zu Olympia, der Rest bleibt zu Hause. Ausnahme sind die Staffeln, also die 100 und 400 Meter, wo wahrscheinlich 5 pro Strecke mitfahren (1 Ersatz)

Das war die Woche, die war

Die NBA ist mit den Triuumph der Boston Celticszu Ende, in der NHL wartet heute NachtSpiel 7, und die Europameisterschaft ist in vollem Gange. Siehe die gesonderten Texte. Aber auch sonst hatte der Spot noch einiges zu bieten.

Sinner auch auf Rasen gut

Nämlich beim Turnier in Halle/Westfalen, das der italienische Weltranglistenerste für sich entschied durch einen Finalerfolg gegen Hubert Hurkacz. Zweimal im Tiebreak gewann er das aufschlaglastige Spiel. SpielDamit gehört eer zwangsläufig auch zu den Favoriten fürs Wimbledon-Turnier ab kommender Woche. Sascha Zverev scheiterte im Halbfinale an Hurkacz.
Titelverteidiger in Wimbledon ist Carlos Alcáraz. Der allerdings unterlag in Queens bereits im Viertelfinale dem Briten Jack Draper, vor Wochenfrist Turniersieger in Stuttgart und große Wimbledonhoffnung der Briten, zumal Andy Murray wegen einer Rückenverletzung schon absagen musste. Allerdings unterlag Draper seinerseits dem Amerikaner Tommy Paul, der sich letztlich auch den Turniersieg sicherte.
Bei den Frauen gewann Jessica Pegula das regenbeeinflusste Turnier in Berlin, in Berlin die Kasachin Julia Putinzewa.

Verstappen – wer auch sonst

Der Abstand der Red Bulls zur Konkurrenz ist kleiner geworden, das zeigen schon die mittelmäßigen Ergebnisse des zweiten Fahrers Sergio Perez, der am Sonntag in Barcelona nur Achter wurde. Allerdings ist eben Max Verstappen auch fahrerisch eine Klasse für sich. Er gewann vor Lando Norris im McLaren und Lewis Haamilton, der erstmals in dieser Saison in seinem Mercedes aufs Podium fuhr. Mit Mercedes ist ohnehin wieder zu rechnen, das zeigt auch der 4. Platz von George Russell.

US-Athleten Top

Zumindest im Schwimmen und in der Leichtathletik, wo die Olympiaausscheidungen (Trials) liefen und laufen. Im Schwimmen sind die US Boys und Girls fast in jeder Disziplin zumindest Medaillenkandidat/in. Herausragend Katie Ledecky, die von 200 bis 1500 Meter Freistil um Gold kämpfen dürfte. Und jede Europäerin hätte etwa über 100 Meter Schwierigkeiten gehabt, überhaupt das Finale bei den US Trials zu schaffen.

Erweiterte Copa
Nicht nur Europas Fußballer küren ihren Meister, sondern auch die Amerikas. Die Copa, einst eine rein südamerikanische Angelegenheit, ist endgültig zu einer panamerikanischen Meisterschaft angewachsen mit insgesamt 16 Teams. Parallel zur EM findet diese gerade in den USA statt. Dort ist nicht gerade überbordendes Interesse, manche Spiel finden in halbleeren Stadien statt. Und sportlich war es bisher wenig aufregend, das dürfte sich bis zum Viertelfinale nicht entscheidend ändern. Spannend wird es allerdings, ob Altstars (naja) wie Messi und Suarez noch mal auftrumpfen können und was das brasilianische Team so drauf hat.

Und sonst?
– eine Schwimm-EM ohne nachhaltigen Eindruck. Manche Nationen schickten angesichts von Olympia in zwei Monaten nur ihr B- oder C-Team. Schön für andere Teams, die so zu unverhofften Goldmedaillen kamen wie zB Österreich, das zum Abschluss die 4x-100-Meterstaffel für sich entscheiden konnte. Wer hätte das bei allem Respekt für diese Leistung jemals für möglich gehalten? Wirlich nachhaltige Leistungen blieben deshalb aus, Freistilsprinter wie der Rumäne Popovici und auch der Ösi Felix Auböck über 400 Meter Freistil sind da nur die Ausnahme von der Regel.
– Scottie Scheffler mit nächstem Turniererfolg: Der sechste in diesem Jahr für den Ausnahmegolfer dieser Zeit. Diesmal siegte er Cromwell/Connecticut. Erstaunlich genug, dass er dafür ein Stechen gegen den Koreaner Kim Tom benötigte.