Die Schande vom Afrika-Cup

Es ist das unwürdige Ende (zumindest vorläufig) eines insgesamt unwürdigen Fußball-Turniers. Gut 2 Monaten nach dem denkwürdigen Finale des Afrika-Cups meinte der Kontinental-Verband, dass er noch einmal entscheidend eingreifen müsste. Ein Berufungsgericht disqualifizierte den Sieger Senegal und schusterte dem unterlegenen Finalisten den Titel zu.

Zur Erinnerung in aller Kürze: Als in der Nachspielzeit des Finales in Rabat Marokko gegen Senegal der Schiedsrichter einen absurden Elfmeter für die marokkanischen Gastgeber verhängte, verließen die senegalesischen Spieler aus Protest das Feld; zumal derselbe Schiedsrichter Minuten zuvor ein reguläres Tor für sie aus unerfindlichen Gründen annullierte. Erst nach langem Zuredens ihres Kapitäns Sadio Mané kamen sie nach gut 20 Minuten zurück, und die Partie wurde fortgesetzt. Der Marokkaner Brahim verschoss den Strafstoß, und in der folgenden Verlängerung erzielten die Senegalesen den Treffer zum entscheidenden 1:0. So weit, so unschön. Näheres hier (bis zum Ende scrollen).

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Anstatt die sportlich klar entschiedene Sache auf sich beruhen zu lassen und sich mit dem Vize-Titel zu begnügen, legte der marokkanische Verband Protest ein. In der ersten Instanz wurde dieser in der Hauptsache abgeschmettert, allerdings befand die Disziplinarkommission, dass es Regelverstöße gegeben hat. Unter anderem wurde der senegalesische Trainer als „Rädelsführer“ mit 5 Spielen Sperren bestraft, die Gastgeber ihrerseits müssen eine Geldbuße zahlen unter anderem, weil während der gesamten Partie die Balljungen versucht hatten, das Handtuch des senegalesischen Torhüters zu entwenden, das bei strömendem Regen bitter notwendig war.

Doch noch immer wollte sich der marokkanische Verband nicht zufriedengeben und legte Berufung ein. Und tatsächlich entschied jetzt das Berufungsgericht, dass der Protest zulässig sei. Das Ergebnis wurde aufgehoben, die Partie mit 3:0 für Marokko gewertet, die sich damit Afrika-Meister nennen dürfen. Sogar den entsprechenden Paragraphen fand man: Durch das widerrechtliche Verlassen des Spielfeldes habe Senegal die Partie aufgegeben, die 3:0-Wertung sei also zwingend. Kein Wort dazu, dass das Team wieder zurückgekehrt war, dass (sogar dieser parteiische) Schiedsrichter und auch der Gegner Marokko mit einer Fortsetzung einverstanden waren, dass die Begegnung also ihr reguläres Ende fand. Der Sinn der angeführten Regelung, dass nie und unter keinen Umständen ein Team profitieren soll, wenn es ohne Grund vorzeitig die Partie beendet, wurde hier bis ins Lächerliche ausgedehnt. Natürlich war das Verhalten der senegalesischen Spieler grenzwertig, manche werden sagen komplett falsch: Doch mit der gesamten Vorgeschichte, nämlich dass von vornherein Marokko unter allen Umständen triumphieren sollte, unter Umgehung auch der geringsten Maßstäbe an Fairness und Achtung sportlicher Kontrahenten, mit nicht nur in diesem Marokko-Spiel erkennbar einseitigen „Unparteiischen“, war dieses Verhalten zumindest erklärbar. Spätestens nach der Rückkehr war der Verstoß auch „geheilt“, niemand hatte einen echten Nachteil. Und niemand hat den Elferschützen Brahim Diaz befohlen, einen lächerlichen „Panenka“ zu probieren, anstatt dass er den Ball unerreichbar in eine Toreck gedroschen hätte. So schwach war der Versuch, dass manche ihn sogar des absichtlichen Verschießens wegen beschimpften.

Warum jetzt die schwerst mögliche Entscheidung gefällt wurde (nämlich das Aberkennen des regulär zustandegekommenem Ergebnisses), darüber kann ich natürlich nur spekulieren. Tatsache ist, dass der afrikanische Verbandspräsident ein ganz enger Gefährte von FIFA-Boss Gianni Infantino ist. Dass dem Schweizer ein Triumphator Marokko um vieles lieber gewesen wäre als Senegal, konnte jeder unschwer bei der Siegerehrung sehen. Marokko ist nämlich Co-Gastgeber der WM 2030, und wenn einer weiß, wie man sich bei WM-Gastgebern einschleimt und ihnen in den Hintern kriecht jenseits aller Schamgrenzen, dann ist es der erbärmliche Infantino (remember Trump im Dezember). Außerdem hat Infantino ebenfalls schon öfter gezeigt, dass ihm der Sport und auch der Fußballsport völlig gleichgültig sind, Hauptsache der Dollar rollt. Dass ein sportlicher höchst traditioneller Wettbewerb wie der Afrika-Cup katastrophal entwertet wird (allein durch die Tatsache, dass erst nach 2 Gerichtsinstanzen der Sieger feststeht), ist diesem Mann völlig egal .

Und es ist noch nicht vorbei: Der völlig zurecht wutschnaubende Senegal wird Berufung gegen dieses skandalöse Urteil bei CAS einlegen. Ob allerdings der nicht minder skandalumwitterte Sportsgerichtshof diesem stattgeben wird, das bezweifle ich. Zu Fifa-hörig haben sich die Herrschaften bisher erwiesen. Sie folgen auch gerne dem Geld, wie die immer noch geradezu unfassbaren Fast-Freisprüche der dopenden Tennis-Stars Iga Swiatek und Jannik Sinner zeigten, während man die sog. kleinen Fische drakonisch bestraft (kein Fall ist wie der andere, ich weiß).

Letztlich ist es fast egal, wie es ausgeht: Katastrophaler Verlierer ist vor allem der afrikanische Fußball. Mögen die Marokkaner zu Hause mit Hupkonzerten jubeln, mögen die marokkanischen Spieler Jubel-Posts veteilen. Jeder weiß, dass sie sportlich verloren haben. Jeder weiß nun auch, dass sie  erbärmlich-abscheuliche Verlierer sind, nicht nur bei mir werden sie jeglichen Respekt verloren haben. Europäer schauen eh mit einer Mischung aus Verachtung und Belustigung und Respektlosigkeit auf dieses afrikanische Fußballfest. Wer wird nach dieser absoluten Farce schon noch gerne (und vor allem erfolgreich) Argumente suchen, dass dies tatsächlich ein wichtiger Wettstreit ist, der sportlich fair auf dem Spielfeld entschieden wird.

Venezuelas Baseballer krönen sich zum Weltmeister

Als der fantastische Closer Daniel Palencia das letzte Aus der USA besiegelte und der 3:2-Triumph Venezuelas feststand, kannte der Jubel keine Grenzen mehr im Miami-Stadium. Alle Spieler strömten aufs Feld, venezolanische Fahnen schwenkend oder um die Schultern umgehängt, und alle mit Tränen in den Augen. Zum ersten Mal in der Geschichte hatten sich die Baseballer die WM geholt, und wer die geradezu entrückten Gesichter all dieser Profis sah, weiß, was das für das Land bedeutet. Nämlich den wohl größten sportlichen Erfolg, den dieses Land je gefeiert hat. Und auch der letzte – dem Baseball vielleicht nicht so zugängliche – Sportfreund erfuhr, dass diese World Baseball Classics viel, viel mehr sind als ein schnödes Vorbereitungsturnier für die MLB-Saison. So viel Emotionen wie spätestens seit dem Viertelfinale gibt es in der Major League Baseball bestenfalls in entscheidenden Partien der K.-o.-Runden. Auch auf den Tribünen, mindestens zur Hälfte mit venezolanischen Migranten befüllt, war der Jubel riesig. Eines scheint sicher zu sein: Bevor die heimischen Miami Marlins einen derartigen Erfolg feiern können, werden noch Jahre vergehen .

Venezuela gegen die USA, das war in der Nacht zu Mittwoch das Finale der dominanten Pitcher – und das trotz der furchteinflößenden Schlagmänner auf beiden Seiten. Venezuela ging mit 2:0 in Führung, und ihre Werfer schafften gegen die prominente US-Line Up ein geradezu müheloses Inning nach dem anderen. Bis im 8. Durchgang Bryce Harper dann doch einen Ball satt erwischte und zu einem 2-Run-Homer zum 2:2 über den Zaun drosch. Die Wende? Sollten die USA es doch noch schaffen, nachdem die Baseball-Nation Nummer 1 zuletzt bei WMs ohne Titel blieben. Eugenio Suárez von den Seattle Mariners fand die Antwort und sein Double brachte Venezuela wieder in Führung. Und eines hatte das Turnier gezeigt: Eine Führung mit Daniel Palenica als Closer auf dem Mound, das bedeutete in diesen Tagen schon den Sieg, auch jetzt.Kyle Schwarber, der Homerunkönig der vergangenen Saison versuchte sein Glück – Strike Out. Gunnar Henderson traf sogar den Ball – ein leichter Fang für die Verteidiger. David Anthony sah den 100-Meilen-Ball nicht mal – das dritte Aus. Die unfassbare Bilanz des Closer Palencia: 5 Spiele, kein zugelassener Hit und erst recht kein Run. Besser gehts nicht.

Der Ort des Triumphs hätte symbolischer kaum sein können, Miami/Florida. Jenem Land also, das vor drei Monaten das Venezuela überfiel und den regierenden Präsidenten Maduro, den widerwärtigen Diktator, entführte. Der Mann, der das initierte, ließ sich im Stadion allerdings nicht blicken, obwohl sein Wohnsitz Mar a Lago für US-Verhältnisse quasi um die Ecke wohnt. Doch Donald wäre nicht Trump, würde er nicht zumindest einen Teil des Venezolanischen Triumphes für sich reklamieren würde. Es würden „in letzter Zeit gute Sachen für Venezuela geschehen“ und er frage sich, womit diese „Magie“ wohl zusammenhänge? Nach dem Sieg Venezuelas goss er weiteres Öl (sic!) ins Feuer: „Statehood!“, schrieb er, was übersetzt so viel heißt wie: Bald ist Venezuela der 51. Bundesstaat. Zumindest die Kanadier wirds trösten …

Dabei ist Baseball schon lange vor Trumpistan DER Nationalsport in Venezuela, weit vor Fußball, wo das Land mal wieder die WM-Qualifikation verpasst hat. Alle Spieler des World-Classic-Kaders spielen in MLB-Teams, und dort eine zum Teil herausragende Rolle. Zwei absolute Legenden gar nicht lang vergangener Tage reihten sich in die Trainergilde ein. Johan Santana kümmerte sich um die Pitcher, Miguel Cabrera, vielleicht der beste unter vielen guten MLB-Profis aus Venezuela, war Hitting Coach.

 

Das war die Woche, die war

Uli Hoeneß, unfassbar unsachlich

 

Der beschämendste Post der Woche (zumindest im Sport) stammt von Uli Hoeneß. Nach dem 1:1 von Bayer Leverkusen gegen seinen FC Bayern wetterte der Ehrenpräsident, die Leistung des Schiedsrichters sei die „schlechteste gewesen, die es je in der Bundesliga gab“. Darauf antworte ich ähnlich sachlich: Uli Hoeneß hat endgültig den Verstand verloren. Wahrscheinlich hat er durch übermäßigen Verzehr seiner widerwärtigen Würschtl einige Gehirnwindungen verloren.
Was hatte sich also Christian Dingert zu Schulden kommen lassen, dass er diesen Furor gegen sich auslöste? Er wagte es, dass er zwei Bayern-Tore nach Handspiel annullierte. Beim einen war der Fall klar, weil ein Torschütze wie Tah dabei nie unmittelbar die Hand benutzen darf. Auch Kanes Einsatz vorm vermeintlichen 2:1 mit der Hand war zumindest grenzwertig. Außerdem wagte es Dingert nach Konsultation der Fernsehbilder, den Münchner Jackson für ein Brutalo-Foul vom Platz zu stellen. Kein Mensch bei Verstand (noch nicht mal Hoeneß selbst!) würde die Richtigkeit dieser Entscheidung anzweifeln.
Bleibt als „Fehler“ noch eine in der Tat zweifelhafte Gelb-Rote Karte, die Dingert Luis Diaz nach einer vermeintlichen Schwalbe zeigte. Der Schiri selbst befand nach dem Spiel und Ansicht der Fernsehbilder (die er während der Partie nicht nutzen durfte), dass diese Entscheidung „zu hart“ gewesen sei. Ein gutes Zeichen gegen die wieder unerträglich grassierende Fallsucht aller Fußball-Profis und -Amateure war es allemal.

Die Eskalation der üblen Stimme vom Tegernsee kam natürlich mit vollem Bedacht: Schiedsrichter, so die unverhohlene Drohung, haben ein sehr, sehr schweres Leben, wenn sie (auch nur im Zweifel) gegen den FC Bayern pfeifen. Übersetzter Klartext:: „Pfeift im Zweifel für uns, und ich lasse Euch in Ruhe! Wenn nicht, gibt es extremen Ärger!“ Samt dem unfassbaren Ärger doch die zahllosen Bayern-Fans, wie die Kommentare zu den meist sachlichen Spielberichten zeigten.
Schade, dass der DFB zwar Schiedsrichtet Dingert für seine Entscheidungen zwar weitgehend in Schutz nahm, auf Angriffe gegen den unsachlichen Ekel-Brüller vom Tegernsee verzichtete.

Sogar die den Bayern und insbesondere Uli Hoeneß ergebene „Bild“ fand mit übrigens die SR-Leistung alles andere als „die schlechteste aller Zeiten“ und vergab die Note „3“. Krawalliger da schon das ehemalige Fachmagazin „Kicker“ (Note „5“. „Eine unangemessene Spielleitung“ bescheinigten die Kicker-Männer (im Fußball immer noch ein reiner Männer-Club, ein trauriges Kapitel für sich) und unterschlugen dabei, dass die Bayern-Profis gegen wirklich jede Entschedung gegen sie lautstark reklamierten und auch deshalb diese hektik aufkam. Nicht nur der Kapitän Kimmich meckerte und motzte, sondern vor allem auch Kane und Stanisic. Meines Erachtes war der größte Fehler von Dingert, dass er gegen diese Maulhelden nicht mit Gelben Karten vorging.

In der ganzen Schiri-Keilerei ging unter, dass Bayer gegen Bayern ein äußerst unterhaltsames Fußballspiel war. Mit einem höchst unwahrscheinlichen Helden, denn es war letztlich Bayerns nominell dritter Torwart Sven Ulreich, der mit feinen Paraden trotz 9:11-Unterzahl das Remis feshielt. Tragisch, dass der Ersatz-Ersatzmann sich einen Muskelbündelriss zuzog und nun 6 Wochen fehlt. Im spiel stand ihm auch das Glück zur Seite, denn dass Jonas Hofmann bei seinem vemeitlichen Siegtreffer in der Nachspielzeit im Abseits stand, war durch Standbild und angeblich kalibrierter bestenfalls zu erahnen. Proteste der Leverkusener? Fehlanzeige. Obwohl Bayer die verlorenen Punkte im Kampf um Champions-League-Plätze sehr viel mehr schmerzen als den Münchnern, die immer noch souverän die Tabelle anführen mit 9 Punkten auf Borussia Dortmund. Wozu also die Aufregung, frage ich noch mal fassungslos?

 

Ich schaue neidvoll nach Italien

 

Nicht wegen ihrer Fußballer, Gott bewahre! Aber Italia trumpft in zwei Sprtarten auf, die ich sehr gerne mag und in denen Deutschland noch nicht einmal eine Nebenrolle spielt, geschweige denn eine oscar-würdige. Ich rede von Baseball und Rugby, in denen Spieler aus Bella Italia mehr als bella figura machen und machten.

 

Italien im Baseball-WM-Halbfinale

 

Als ich das Ergebnis aus der Vorrunde las, konnte ich es kaum glauben: USA – Italien 6:8. Es verlor also die Baseball-Nation Nummer 1, gespickt mit zwei Dutzend topdotierter MLB-Stars gegen ein Land, das ich bisher überhaupt nicht mir diesem schönen Sport in Vebindung gebracht habe. Natürlich auch wegen meine Ignoranz, denn zumindest Pasquantino von den Kansas City Royals ist mir durchaus ein Begriff. Nur hätte ich ihn trotz des namens nie mit Italien in Verbindung gebracht. Noch einige Spieler mehr sind bei MLB-Clubs angestellt, aber sie sind mir nie in einer tragenden Rolle aufgefallen. Und diese No-name-Truppe besiegt die USA – einer der größgten und gleichzeitig schönsten Rätsel des Sports.
Dieser Triumph war keine Eintagsfliege. Nicht nur gelang den Azzurri der Gruppensieg in der Vorrunde, sie bezwangen auch im Viertelfinale Puerto Rico und treffen heute Nacht auf Venezuela. Höchstwahrscheinlich wird gegen diese Baseball-Nation der Siegeslauf ein Ende finden, aber das tut dem Erfolg nicht den geringsten Abbruch. Als Deutscher, der die zig teils grotesken Fehlversuche eines Aufbaus eines heimischen Nationalteams nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt, bleibt da nur der allerhöchste Respekt. In Italien wissen Menschen offenbar zumindest im Baseball, was sie tun.

Italien 4. bei den Six Nations

Das gilt fast noch mehr im Rugby. Im traditionellen Turnier der sechs besten europäischen Teams schafften die Azzurri einen vor Jahren noch für unmöglich gehaltenen vierten Platz – vor den ausgemachten Rugby-Nationen England und Wales. Erstmals konnten sie dabei den Ex-Weltmeister England bezwingen, außerdem gelang ein Heimerfolg gegen Schottland (und so blieb man im jeweils nahezu ausverkauften Römer Olympiastadion diese Saison tatsächlich unbesiegt). Die Italiener lieben ihre Rugbyspieler, die ihr Geld auch in lukrativen Profiligen wie Frankreich und England verdienen.

Das europäische Topturnier verlief so spannend wie noch nie. Erst mit einem Straftritt nach Ablauf der 80 Minuten sicherte sich im allerletzten Spiel Frankreich den spektakulären 48:46-Sieg gegen England und die erforderlichen Punkte, um Irland noch von der Tabellenspitze zu verdrängen.

 

Und sonst? (wirklich nur das Wichtigste)

 

 

  • Tennis: Masters-Siege für Aryna Sabalenka und Jannik Sinner. In Indian Wells gewann die Weißrussin ein spektakuläres und hochklassiges Finale gegen Lena Rybakina und revanchierte sich für die Niederlage im Endspiel de Australian Open. Dabe vergab Rybakina im Tiebreak des entscheidnden Satzes einen Matchball.
    Sinner bezwang im Endspielden Russen Daniil Medwedew mit 7:6, 7:6. Medwedew seinerseits, der ein grauenhaftes Jahr 2025 hinter sich hat, bestätigte seinen klaren Formanstieg mit einem beeindruckenden Halbfinal-Erfolg über den Weltranglistenerersten Carlos Alcáraz, der die erste Niederlage des jahres kassierte..
  • Ski alpin: Emma Aicher gibt im Kampf um den Gesamtweltcup nicht auf: Die 22-Jährige fuhr in Are als Vierte im Riesenslalom und Zweite im Slalom jeweils ihre besten Disziplin-Ergebnisse ein. Dabei genoss die in Schweden aufgewachsene Aicher sichtlich ihren Heimvorteil. Was für ein Glück für den Deutschen Skiverband, dass sie sich im Alter von 16 jahren entschied, dass sie für das Heimatland ihrer Mutter fahren will.
    Den Slalom gewann, natürlich, Mikaela Shiffrin. Die Amerikanerin führt jetzt mit 140 Punkten vor der Deutschen. Jeweils ein Wettbewerb pro Disziplin findet ab nächsten Samstag beim Saisonfinale in Lillehammer noch statt. Aufholjagd ist sicher möclich, letztlich aber unwahrscheinlich.
    Einen schönen Erfolg feierte die Österreicherin Julia Scheib. Sie gewann nicht nur den Riesenslalom in Are, sondern holte sich auch die Disziplin-Wertung. Kaum zu glauben: Es ist der erste Riesenslalom-Weltcup für die Skination Austria seit 10 Jahren. Schweib wiederum entschädigte sich für das entäuschende Olympia-Rennen, als sie als klare Favoritin ohne Medaille blieb.
  • Golf: Wie Indian Wells im Tennis gilt The Players in Ponte Vedra bei den Golfprofis als fünftes Major-Turnier. Spannender hätte das Ende kaum sein können, als die schlaggleichen Führenden Camron Young (USA) und Matthew Fitzpatrick (England) im gleichen Flight auf die letzte Bahn gingen. Am Ende hatte Young im äußerst fair geführten Duell (trotz Ryder-Cup-Vibes bei den Zuschauern) die Nase um einen Schlag vorn. Ein Desaster auf der Schlussrunde erlitt der junge Schwede Ludvig Aberg, de mit einer desaströsen 76er-Runde von Platz 1 auf Rang 5 zurückfiel.

Das wird die Woche, die wird

Das erste Rad-Monument, Rückspiele im Europapokal und vielleicht doch endlich die letzten Zuckungen im Wintersport.

 

Engländer kämpfen gegen das kollektive Aus.

 

Mit sechs Teams stehen die Engländer im Achtelfinale. Wenn es ganz, ganz blöd läuft, scheitern alle sechs. Zumindest 4 Teams brauchen ein mehr oder weniger großes Wunder: Tottenham, Manchester City und Chelsea müssen jeweils einen 3-Tore-Rückstand aufholen gegen Atlético und Real Madrid sowie Titelverteidiger PSG. Newcastle bräuchte bei Barca einen Auswärtstriumph. Die noch beste Ausgangsposition hat der FC Arsenal nach dem am Ende glücklichen 1:1 im Hinspiel bei Bayer Leverkusen, während der FC Liverpool gegen Galatasaray in der Anfield Road ein 0:1 kompensieren muss. So wie die Reds gerade ihre Spiele verhühnern, ist das keineswegs ausgemachte Sache.
Völlig klar ist dagegen das Weiterkommen des FC Bayern nach dem beeindruckenden 6:1 bei Atalanta Bergamo. Interessant wird höchstens, wer bei den Münchnern im Tor steht, nachdem jetzt auch Sven Ulreich, der Ersatz des Ersatzes von Manuel Neuer ausfällt. Wenns blöd läuft und Jonas Urbig nach seine Gehirnerschütterung keine Spielerlaubnis erhält, muss (oder darf) tatsächlich der erst 16-jährige Leonard Prescott zwischen die Pfosten: Hochtalentiert ist er, wie man hjört und mit Gardemaß von 1,96 Metern ausgemustert.

Schließlich noch der Liebling aller Fußball-Romantiker. Bodö Glimt hat nach dem 3:0 zu Hause gegen Sporting beste Chancen, und außerhalb von Lissabon (hier auch bestenfalls die Hälfte der Stadt, die andere hält eh zu Benfica) drücken wohl alle den tapferen Norwegern mit dem Mini-Etat die Daumen.

Weitere deutsche Clubs im Europapokal

 

In der Europa League lief es für den SC Freiburg (0:1 in Genk) und den VfB Stuttgart (1:2 fgegen Porto) wahrlich nicht nach Plan. Nach der Nullnummer in Ostrau hat wenigstens Mainz in der Conference League realistische Chancen auf den Aufstieg.

 

Die Sehnsucht des Tadej Pogacar

 

Der Slowene hat im Radsport alles gewonnen, bis auf den Eintages-Klassiker Mailand – San Remo, bei dem immer etwas oder jemand dazwischenfunkte, zuletzt  in Person von Matthew van der Pool. Am Samstag steht also das erste sogenannte Monument des Jahres auf dem Programm, und wieder wird die Frage sein, wie es Pogacar angeht. Sein Klassiker-Rezept, 50 Kilometer vor dem Ziel sich auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden, hat gerade bei der „Primavera“ ihre Tücken, wartet doch etwa 10 Kilometer vorm Ende der sagenumwobene Poggio (und danach nur noch die rassende Abfahrt ins Ziel). Andrerseits: Was hat der überragende Slowene schon zu verlieren? Denn auf die herkömmliche Art (Antritt erst am Poggio) kam er bisher nicht zum Triumph. Und seine Nemesis van der Poel ist ein ausgemachter Remo-Spezialist und prädestiniert für derlei Ankünfte.
Wie es aussieht, ist nur Eurosport2 live dabei, der Hauptsender ergeht sich im ewigen Wintersport. Apropos …

 

Kampf um die Weltcupkugel

 

Genau vor einer Woche habe ich Emma Aicher abgeschrieben im Kampf um den Gesamtweltcup. Außenseiterin ist die Deutsche im Duell mit der sagenhaften Mikaela Shiffrin immer noch, doch die Ausgangsposition vorm Saisonfinale in Lillehammer hat sich wieder leicht verbessert.
140 Punkte sind es noch Rückstand auf die Amerikanerin. In jeder der vier Disziplinen steht noch je ein Rennen aus. Während Shiffrin bisher wenn überhaupt nur zaghaft ein paar Super-Gs bestritten hat und die Abfahrten bisher komplett mied, kann Aicher hier zweimal voll Punkten. Wenn sie dann wirklich mit Vorsprung in die abschließenden Techniker-Wettbewerbe Slalom und Riesenslalom (Dienstag, Mittwoch in einer Woche) geht, kann alles passieren. Wie gesagt, nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Frei nach Franz Beckenbauer möchte man ihr zurufen: Geh raus und fahr runter! Das kann sie mit einer Lässigkeit wie keine andere.

 

Und sonst?

 

  • Baseball: Die World Classics gehen in die entscheidnde Phase. Die Halbfinali stehen in der Nacht zu Montag und Dienstag an. Jeweils in Miami treffen zunächst die USA auf die Dominikanische Republik, tags darauf ist Venezuela klarer Favorit gegen die sensationellen Italiener, die in der Vorrunde sogar die US Boys mit 8:6 besiegten.
    Gerade in der DomRep und Venezuela ist Baseball Nationalsport. Praktisch alle Spieler sind zum Teil extrem wichtige Profis in der MLB.
    Ein Träumchen wäre natürlich ein Finale USA gegen Venezuela in Miami. Praktisch vor der Haustür eines gewissen Donald Trumps. Der aber wohl kneifen würde, weil ein US-Triumph keineswegs feststeht.
  • Bundesliga: Hoffentlich verzieht sich der Pulverdampf nach den gerade von den Münchnern inszenierten Schiri-Drama. Die Bayern empfangen den 1. FC Union, ein Sieg ist fest eingeplant.
    Extraspannung im Abstiegskampf und hier vor allem in Wolfsburg. Der heimische VfL (17.) trifft auf Werder Bremen, das mit 4 Punkten Vorsprung auf Rang 15 liegt.
  • Tennis: Teil 2 des Sunshine-Doubles oder: nach Indian Wells ist vor Miami. Wieder sind alle Top-Frauen und -Männer am Start. Titelverteidiger sind Aryna Sabalenka aus weißrussland und der Tscheche Jakub Mensik. Während Sabalenka erneut zu den Top-Favoritinnen gehört, läuft es für Mensik dieses jahr noch überhaupt nicht.
  • Basketball: Mit der Niederlage in letzter Sekunde gegen Efes haben sich die eh kleinen Chancen des FC Bayern aauf die K.-o.-Runde weiter verringert. Diesen Donnerstag empfängt der Meister das Team aus Dubai. Ja Dubai gehört zu Basketball-Europa, die Petro-Dollar machen das möglich.
  • Eishockey: Die DEL-Hauptrunde ist absolviert, jetzt geht es mit der K.-o.-Phase erst richtig los. Zunächst allerdings ermitteln die Plätze 7 bis 10 in den Play-Ins die zwei restlichen Play-off-Teilnehmer. In Best-of-3-Serien treffen ab Dienstag die Fischtown Bremerhaven und Nürnberg Ice Tigers sowie Grizzlys Wolfsburg und Schwenningen Wild Wings aufeinander. Die Top 6 jaben eine Woche Pause.
  • Leichtathletik: Der Höhepunkt der Hallensaison mit der WM im polnischen Turun. 3 Tage volles Programm. Prominenteste Starterin der 13 deutschen StarterInnen ist Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye. Der Olympia-100-m-Zweite Kinshane Thompson führt eine Garde sehr starker jamaikanischer Sprinter an.

Habermas war ein Handball-Fan

Der große und so bedeutende Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist am gestrigen Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre, diesen tollen Menschen in den 80er-Jahren anlässlich einer Geburtstagsfeier meines Vaters kennenzulernen.
Da ich wusste, dass Jürgen Habermas in Gummersbach aufgewachsen ist und lange Zeit dort gelebt hat, sprach ich ihn als Sitznachbar bei Wein und Krautwickeln (oder waren es Maultaschen?) auf den hiesigen Handball-Club VfL Gummersbach an (was man halt so redet mit dem größten deutschen Philosophen der damaligen Zeit). Der VfL war zu dieser Zeit das absolute Um und Auf im deutschen und auch europäischen Vereinshandball. Zu meiner hellen Freude erwies sich Habermas als Freund des Handballs (wie konnte es auch anders sein, wenn er in dieser Handball-Stadt aufgewachsen war?, dachte ich wohl großspurig-naiv), und wir fachsimpelten einige Zeit über den VfL und dem damaligen bayerischen Erzrivalen TV Großwallstadt. Er wusste sehr gut Bescheid über die damaligen Stars Heiner Brand (VfL) und Knut Klühspies (TVG), und am Ende wetteten wir sogar, wer denn am Saisonende Meister werden würde.
Das war im Dezember (höchstwahrscheinlich 1982, wie meine jetzige Nach-Recherche ergab), und im folgenden Mai stand tatsächlich fest, dass Gummersbach sich den Titel geholt hat. Um was wir gewettet haben, weiß ich nicht mehr, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meine Wettschuld nie eingelöst habe. Das will ich nachholen, und so werde ich dem VfL Gummersbach in memoriam ihres berühmten Fans Jürgen Habermas eine Spende zukommen lassen.