Skandal um den Ukrainer Heraskewytsch
Das IOC hat den Skeletoni tatsächlich disqualifitziert. Wegen des beanstandeten Helmes, auf dem Bilder von rund 20 der insgesamt 100 ukrainischen Sportler geklebt waren, die im Krieg von Kugeln oder Bomben getötet wurden. Das IOC sah hierin eine – verbotene – politische Botschaft, Verteidiger von Wladislaw Heraskewytsch sprechen von einer – nicht verbotenen – Erinnerung an gute Freunde.
Schon nach den Trainingsläufen mit diesen Helm kündigte das IOC die Disqualifikation an, sollte er diesen auch im Wettkampf benutzen. Hweraskewytsch blieb dabei. Er habe nicht provozieren wollen, sondern nur erinnern, sagte er. Und verwies unter anderem auf den „goldenen“ deutschen Gewichtheber Matthias Steiner, der bei der Siegerehrung in Peking das Foto seiner verstorbenen Ehefrau in die Kameras hielt (ohne Sanktion, warum auch?).
Zwar sprach offiziell der Skeleton-Verband die Disqualifikion aus, aber sicher nach Absprache mit dem IOC. Insofern war der Auftritt von Kirsty Coventry pure Heuchelei, als sie beim ZDF in Tränen ausbrach. Wenn denn jemand die Disqualifikation hätte verhindern können, dann wohl die IOC-Chefin. Sich hinter angebliche Regeln zu verschanzen – das ist erbärmlich.
Falls Heraskewitsch provozieren und die wieder zunehmende Russland-Freundlichkeit des IOC und der Verbände anprangern wollte, hat er sein Ziel erreicht. Kaum ein akkreditiertes Medium, das jetzt nicht groß berichtete. Wäre er ohne von vornherein ohne Beanstandungen gefahren, hätten die wenigsten die Aktion überhaupt mitbekommen, so weiß die ganze (Sport)Welt davon. Streisand-Effekt at its best.
https://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt
Emma Aicher tappt in die Kursfalle
Dass der Super-G extrem anspruchsvoll, ja fast bösartig gesetzt war, zeichnete sich schon bei den ersten Läuferinnen ab. Reihenweise fuhren die besten Skiläuferinnen mit zu hohem Tempo in die tricky gesetzten Tor-Kombinationen und schieden aus.
Hirn anschalten war also angesagt, und allein das Podium zeigt, dass Erfahrung extrem nützlich war. Es siegte die Italienerin Federica Brignone (35) vor der Französin Romaine Miradoli (31) und Conni Hütter (33) aus Österreich. Die Deutsche Kira Weidle-Winkelmann schied ebenso aus wie Emma Aicher, die zwar die erste Klippe gut nahm, an der zweiten aber grandios scheiterte. Sie wirds verkraften nach zwei Silbermedaillen, und ob es für eine Medaille oder gar den Sieg gereicht hätte, wage ich anhand der Zwischenzeiten eher zu berzweifeln. Auch die anderen Abfahrts-Medaillengewinnerinnen Breezy Johnson und Sofia Goggia sahen das Ziel nicht. Goggia schied gar mit der klar besten Zwischenzeit auf, ein typischer Lauf der risikobereiten Italienerin, der letztlich nicht gut gehen konnte.
So gab es tatsächlich das Happy End für Brignone, das kaum jemand für möglich gehalten hatte. Im April hatte sie sich bei einem Sturz bei den nationalen Meisterschaften so ziemlich alles am linken Bein verletzt, was man sich verletzen kann. Schien- und Wadenbeinbruch, dazu Kreuzbandriss. Doch die Italienerin hatte dieses eine Ziel: Heim-Olympia in Cortina, dafür nahm sie alle Qualen und bis zuletzt enorme Schmerzen in Kauf. Noch vor ein paar Tagen lag ihr Start in den Sternen, weil sie zu große Schmerzen hatte, die Ersatzfahrerin stand schon bereit.
Und dann diese Fahrt, maßvoll, wo es nötig war, mit Tempo, wo es der Kurs zuließ. Das ist ja grundsätzlich der Reiz des Super-Gs, der schnell gesteckt ist und ohne Trainingslauf bewältigt werden muss. Doch meines Erachtens hatte es der norwegische Kurssetzer übertrieben. Gerade beim Olympischen Lauf eine Falle nach der anderen aufzustellen (mit für Super-G ungewohnt kurzen Torabständen), kann nicht der Sinn der Sache sein. Schön anzusehen ist es auch nicht, wenn die besten Skifahrerinnen der Welt wie Anfängerinnen die Tore verpassen (in die Garage fahren, wie es so unschön heißt).
Das letzte Schießen – eine Qual
Dreimal hatte Franziska Preuß beim Einzel fehlerlos je fünf Scheiben abgeräumt, als sie zum letzten Stehendanschlag fuhr. Klar war: Würden erneut alle Scheiben fallen, wäre eine Medaille sicher. Doch die Weltcup-Gesamtsiegerin 2025 zeigte Nerven (oder dachte sie zu viel nach?), sie ist ganz bestimmt nicht die erste, der dieses Malheur passierte. Zwei Strafminuten handelte sie sich ein, Medaillenchance dahin, auch weil sie in der Loipe nicht mehr in der Galaform der vergangenen Saison ist, einige Erkältungen kosteten zu viel Tribut.
So war der Weg frei für Julia Simon. Noch vor Olympia hatte sie Rennen sausen lassen, weil die Laufform überhaupt nicht da war. Die Allerschnellste war sie zwar immer noch nicht in der Loipe, aber was Madame am Schießstand abliefert, ist außergewöhnlich. So schnell wie sie feuert keine Frau die Schüsse ab – und auch nur ganz wenige Männer, wenn überhaupt. Wenn sie dann noch von 20 Versuchen 19 ins Ziel bringt, ist sie schwer zu schlagen. Noch nicht einmal von ihrer überragenden Landsfrau Lou Jeanmonnot, die trotz zweier Fehlschüsse immerhin noch zu Silber lief.
Die Sensation schlechthin lieferte allerdings Lara Hristova. Die Bulgarin eroberte ohne Schießfehler die Bronzemedaille. Sogar Franziska Preuß fragte ungläubig nach, wer zum Teufel diese 22-jährige junge Frau war, die perfekt schoss und auch in der Loipe recht gut zurecht kam. Besser zum Beispiel als die unglückliche Vanessa Voigt, die bei ebenfalls fehlerfreier Darbietung 13 Sekunden langsamer war und „nur“ Vierte wurde. Platz 4 wäre im Weltcup eine fantastische Platzierung gewesen, bei Olympia gibts nur die symbolische Blech(Holz-)Medaille.
Drama um Wennemars
Sportlich vielleicht bisher sogar der größte Aufreger der Spiele, für die Eisschnelllauf-Nation Holland sogar ganz bestimmt. In aller Kürze: Joop Wennemars ist über 1000 Meter klar auf Medaillenkurs, doch beim letzten Seitenwechsel übersieht sein Laufpartner Ziwen Lian aus China klar die Vorfahrt und schneidet Wennemars den Weg ab. Der muss abbremsen, verliert bei dem Manöver mindestens eine halbe Sekunde (eher mehr) und der Medaillentraum ist geplatzt. Im Ziel ist der Holländer drauf und dran, dass er Ziwen an die Gurgel gehen will, der so tut, als sei nichts gewesen. Später wird der Chinese wegen seines klar sportwidrigen Verhaltens disqualfiziert, doch davon kann sich Wennemars natürlich nichts kaufen
Im nächsten Lauf fährt ausgerechnet Ziwens Landsmann Zhongyang Ning zu Bronze mit einer Zeit, die Wennemars ohne Behndeung mit Sicheheit klar unterboten hätte. Nach seinem Protest darf er zwar noch einmal starten, doch nur eine halbe Stunde nach dem ersten Lauf fehlt ihm natürlich die Kraft und er kann die zweit nicht unterbieten. Hinterher beschwerte er sich bitter, dass die Pause viel zu kurz gewesen sei.
Der eine Chinese verhilft dem Landsmann mit einem klar sportwidrigen Verhalten zu Bronze, ich bin tatsächlich geneigt, dass das absichtlich war (leide traue ich mittleweile fast jedem Sportler fast alles zu für einen Vorteil). Das lässt sich natürlich nicht beweisen, ich erinnere aber ungerne an den Formel-1-Fahrer Nelson Piquet jr., der mit voller Absicht einen Unfall verursachte, damit Teamkollege Fernando Alonso das Rennen gewann. Hätte vorher auch niemand geglaubt, dass so etwas möglich ist.
Zumindest am Sieg des überragenden Jordan Stolz gab es nicht die geringsten Zweifel. De Amerikaner siegte mit einer halben Sekunde Vorsprung auf den Holländer Jening de Boo. In dessen Zeitbereich wäre Wennemars ohne Behinderung wohl gefahren.
Wenn nur die Kunst zählt
Eistanzen ist nicht so meines, obwohl Torvill/Dean natürlich unvegessen sind: Was am Mittwoch aber die beste Paare aufs Eis zauberten, hat mich dann doch gefesselt, vor allem die US-Amerikaner und die Franzosen. Zunächst Madison Chock und Matthew Bates. Zu „Paint it Black“ tanzten sie einen Torero, in Schwarz gekleidet und roten Tuch. Schnell und ambitioniert wirkte es und ziemlich frisch. Den Gegensatz dazu lieferten Laurence Fornier Beaudry und Guiilaume Cizeron. Sie malten ein Gesamtkunstwerk aufs Eis, nicht ganz so spritzig wie die Amerikaner, aber mit vollendeter Harmonie (was ich aufgrund des klaren Urteils der Jury erst beim zweiten Mal anschauen wirklich zu würdigen weiß, denn ich hätte die Amis vorne gesehen). So ging Gold an Frankreich, und Ceizeron gelang Historisches. Noch nie hat ein Eistänzer Olympiagold mit zwei Partnerinnen gewonnen. 2022 hatte er mit Gabriella Papadakis triumphiert
Wer die Franzosen bewundern will (die Amis sucht ihr bei Youtube)
Und sonst?
- Rodeln: Die Doppelsitzer bei Frauen und Männern wurden zu einer italienischen Angelegenheit, die beide Wettbewerbe für sich entscheiden. Bei den Frauen siegten Voetter/Oberhofer vor den deutschen Eitberger/Matschina und Egle/Kipp aus Österreich, bei den Männern Rieder/Kainzwaldn vor den Österreichern Steu/Kindl und den Deutschen Wendl/Arlt. Medaillenvielfalt à la Rodeln. Wenn die von Olympia ausgeschlossenen Kombinierinnen diese einseitigen Konkurrenzen (gerade 11 Frauenpaare waren dabei) gesehen haben, müssen sie sich komplett verschaukelt fühlen. Denn genau die mangelnde Quantität ist eines der Hauptgründe, warum sich Olympia den Kombinierinnen verschließt.
- Ski Freestyle: Die Australierin Jakara Anthony ist die klar beste Buckelpistenfahrerin der Welt. Im Olympiafinale geriet sie aus dem Rhythmus und musste die Fahrt abbrechen. Den Sieg erbte Elizabeth Lemley, gerade 20 Jahre jung.
Neueste Kommentare