Si tacuisses

 

Die Österreicher spielen natürlich absoluten Anti-Handball. Das möchte auch eigentlich keiner sehen.

(Der Deutsche Andreas Wolff vorm EM-Auftakt am Donnerstag gegen Austria)

 

Keine Frage, Andi Wolff ist ein Weltklassetorwart, er gehört zu den Top 3 der Welt, an guten Tagen ist er schier unüberwindlich. Doch offenbar ist ihm in seiner Karriere der eine oder andere Ball zu viel an den Kopf gerauscht, oder wie soll ich diese Beleiding deuten?.

Hier spricht der Torwart einer Handball-Nation über einen absoluten Außenseiter. Eben nicht respektvoll, wie ich schon in manch Verteidigungsrede lesen konnte, sondern voller Verachtung, voller deutscher Arroganz (ein Piefke im schlimmsten Sinn und eben kein Nachfolger fürs DÖF). Welcher Handballer will sich schon als „absoluten Anti-Handballer“ bschimpfen lassen.

Damit hat Wolff vorm ersten EM-Spiel am Donnerstag gegen Österreich ein völlig unnötiges Fass aufgemacht. Gerade im Handball können durchgebrannte Sicherungen (etwa ein mit voller Absicht gegen den Kopf von Wolff gefeuerter Ball) schwere Verletzungen nach sich ziehen. Man kennt sich ja gut, ein Großteil der Ösis spielt in der deutschen Bundesliga. Der von Wolff besonders kritisierte Mykola Bylyk ist sogar dessen Kieler Teamkollege, da wird sich nach der EM die Vereinsführung freuen …

Es ist für mich auch nicht der übliche Trashtalk, eben weil Deutschland in allen Belangen überlegen ist. Zumal Wolff mit seinen Deutschen in einem gefährlich engen Glashaus sitzt. Der ganze EM-Kader ist nämlich eher auf Zerstörung und harte Verteidigung (basierend auf den überragenden Torhütern Wolff und Späth) ausgelegt. Bundestrainer Alfred Gislasson nahm lieber gute und harte Verteidiger als eher filigrane Angriffsspezialisten mit (Dahmke statt Freihöfer), was im Vorfeld für gehörigen Ärger sorgte. Mal sehen, wie sich Wolff äußerst, wenn die Deutschen in der Zwischenrunde gegen Top-Favorit Dänemark den österreichischn „Anti-Handball“ zeigen.

Zu hoch hängen möchte ich das Ganze allerdings auch nicht. Vielleicht gehört dieses Klappern wirklich zum unschönen Handwerk. Aber wers Maul derartig unflätig aufmacht wie Wolff, der darf sich über entsprechende Antworten nicht wundern.

 

Trainereffekt bei Real

 

Nur als Nachtrag des Rauswurfs von Xabi Alonso. Das stolze Real Madrid hat sich ruhmlos aus dem spanischen Pokal verabschiedet. Beim abstiegsgefährdeten Zweitligisten Albacete Balompie verloren die Königlichen durch ein Gegentor in letzter Minute mit 2:3 und zeigte eine insgesamt indiskutable Leistung. Nein, Schadenfreude lieggt mir völlig fern, ich bin nur der Chronist …

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Hinrundenrekord des FC Bayern: Die Münchner gewannen nach 0:1-Rückstand noch mit 3.1 beim 1. FC Köln. Sie beendeten damit die Hinrunde mit 15 Siegen, 2 Remis und 0 Niederlagen (47 von 51 möglichen Punkten). Das unfassbare Torverhältnis lautet nun 66:14; das wären hochgerechnet 132 erzielte Treffer, der bisherige Bestwert, natürlich von den Bayern aufgestellt (1973), liegt bei 101 erzielten Toren.
    Ansonsten war der Mittwoch ein Fest für die Plastikclubs und somit ein Graus der Traditionalisten. Es siegten Leipzig (2:0 vs Freiburg), Hoffenheim (mit 5:1 gegen Gladbach) und Wolfsburg (2:1 vs St. Pauli). Bayer Leverkusen verpasste am Dienstag den Sieg, die Partie beim HSV fiel wegen Tauwetters aus.
  • Biathlon: Dramatische Frauenstaffel zum Auftakt der Rennen in Ruhpolding. Zum abschließenden Schießen kamen fast gleichzeitig gleich 5 Schlussläuferinnen. Die Italienerin Lisa Vitozzi veließ en Schießstand zwar als Erste, wurde aber noch von der Norwegerin Maren Kirkeeide auf der Zielgeraden noch überholt, auch dank eines rüden Manövers offenbar noch haarscharf innerhalb der Regeln. Dritte wurde Schweden vor Frankreich. Das deutsche Team mit Schlussläuferin Franziska Preuß hatte bis zum letzten Schießen noch alle Chancen, doch die Weltcupsiegerin 2025 musste gar in die Strafrunde und musste sich letztlich mit Platz 6 zufriedengeben.
  • Afrika-Cup: Marokko und der Senegal stehen im Finale in Rabat. Die Gastgeber gewannen im Elfmeterschießen gegen Nigeria durch, Senegal setzte sich 1:0 gegen Ägypten durch. Den entscheidenden Treffer erzielte ein alter, aber dort nicht guter Bayern-Bekannter. Sadio Mané (mittlerweile 33 und in Riad aktiv) war mit einem schönen 14-Meter-Flachschuss erfolgreich. Das Endspiel findet am Sonntag (20 Uhr) in Rabat statt.