Blick über den Teich, NBA

 

Eine Woche oder 4 bis 5 Partien haben die Teams noch vor sich, bevor es in die Play-offs geht. Normalerweise Zeit für Dramen, wer es über den Strich schafft und wer noch absackt. Diese Saison, keine Spannung, fast nirgends. Natürllich gibt es den einen oder anderen Fight um Platzierungen, aber die insgesamt 20 Teams (je 10 im Osten und Westen), stehen schon längst fest. Weil so viele Teams wie noch nie die Saison von vornherein oder sehr frühzeitig abgeschenkt haben, um sich in der reich beladenen Draft-Klasse ’26 ein besonders exquisites Stück zu sichern. Das sogenannte Tanken=absichtliches Verlieren ist ein extrem trauriges Kapitel für sich, das ich jetzt nicht näher beleuchten will, sondern erst, wenn die Draft Ende Juni ansteht.

So määndert die Saison dem Ende entgegen. 2 Spannungsmomente sind dann doch zu entdecken: Im Westen geht es um die Plätze 3 bis 6 (hinter den Oklahoma City Thunder und San Antonio Spurs), im Osten sogar um die Plätze 5 bis 10, wo noch 2 direkte Play-off-Plätze ausgespielt werden.

 

Western Conference

 

OKC wird auf Platz 1 landen. Rechtzeitig sind alle Spieler fit geworden, und spätestens nach dem 139:96 Kantersieg gegen die  LA Lakers besteht auch kein Zweifel mehr, dass der Titelverteidiger für das erneute Meisterrennen bereit ist. Sicherer Zweiter sind die San Antonio Spurs, das sich in den Spielen gegen OKC als Kryptonit erwiesen hat (3 Siege in 4 Partien)

 

Der Kampf um Platz 3

 

Verwickelt sind die Lakers (50:27 Siege), die Denver Nuggets (49:28), die Houston Rockets (48:29) und die schon etwas abgeschlagenen Minnesota Timberwolves (46:31). Rang 3 wäre in doppelter Hinsicht erstrebenswert. Man hätte Heimrecht in der 1. Runde, und würde außerdem in der 2. Runde den vermeintlich unberzwingbaren Thunder aus den Weg gehen. Um so mehr trifft die Lakers der Ausfall von Topstar Luka Doncic, der wegen einer Oberschenkelzerrung mindestens 2 Wochen ausfällt, schlimmstenfalls sogar sechs. Ob sie ohne den slowenischen Spielmacher den Ein-Siege-Vorsprung auf die Nuggets ins Ziel retten, erscheint mir äußerst fraglich.
Die besten Chancen für Platz 3 haben somit die Nuggets um den potenziellen MvP Nikola Jokic. Zwar müssen sie noch zweimal gegen die Spurs ran und einmal gegen die Thunder, doch die könnten am Ende der Woche bereits im Schon-Modus sein im Hinblick auf die Play-offs. Dahinter haben die Rockets eher theoretische Chancen: Sie müssen alle verbliebenen 5 Spiele gewinnen und dann hoffen, dass die Konkurrenz patzt. Minnesota wird auf Rang 6 verbleiben und versuchen, sich für die Play-offs zu konsolidieren.

Mein Tipp: Denver wird noch Dritter. Vor LA, Houston und Minnesota

 

Die Play-Ins

 

Die 4 Teams stehen schon fest (Phoenix Suns, Portland Trailblazers, Los Angeles Clippers und Golden State Warriors). Sie spielen die Plätze 7 und 8 aus, die aller Wahrscheinlichkeit nur Schlachtopfer in der 1. Play-off-Runde für Thunder und Spurs sein werden.

 

Eastern Conference

 

Die Plätze 1 bis 4 sind praktisch vergeben an Detroit Pistons, Boston Celtics, New York Knicks und Cleveland Cavaliers (die beiden Letztgenannten kämpfen um Rang 3 und 4, was praktisch egal ist). Dahinter sind 6 Mannschaften innerhalb von 4 Siegen. Eines scheint im Osten klar, respektive eben gar nicht klar: Die besten Vier sind nicht so viel besser, als dass nicht in der ersten Play-off-Runde eine Überraschung gegen sie gelingen könnte.

Erster Anwärter auf eine solche Überraschung wären die Atlanta Hawks, zuletzt in ausgezeichneter Form und Favorit auf Rang 5 (oder wenigstens 6), was die Play-offs ohne Umweg über Play-Ins bedeuten würde. Ihr Team ist homogen mit mehreren Waffen (Jalen Johnson, CJ McCullom, Nickell Alexander-Walker, Dyson Daniels). Den Hawks in dieser Form traue ich einen Play-off-Run zu, allerdings könnte ihnen der fehlende Top-Center auf die Füße fallen.
Viel versprechen auch die Charlotte Hornets um den endlich gesunden Lorenzo Ball und Super-Rookie Kon Knuppel, seit Ewigkeiten wieder in der Post season dabei samt dementsprechend fanatischen Publikum (bitte lasst bei Heimspielen das entsetzliche dunkelblaue Parkett im Keller).
Und da sind auch noch die Philadelphia 76ers. Die komplette Wundertüte. Nominell ein Top-Team mit absoluten Topstars wie Tyrese Maxey, Joel Embiid und Paul George. Wenn die gesund bleiben (George? Embiid??) und Rookie VJ Edgecombe und andere Ergänzungsspieler Feuer fangen, kann wirklich alles passieren.

Aus deutscher Sicht am interessantesten sind natürlich die Orlando Magic mit 3 Nationalspielern. Franzn Wagner ist nach sehr langer Pause wieder dabei, wirkt allerdings noch arg rostig (und sein Dreier fällt immer noch nicht …). Tristan da Silva hat eine klare Leistungssteigerung hingelegt und mittlerweile auch einiges Selbstvertrauen. Moe Wagner hingegen ist dezeit aus der Rotation rausgefallen. Irgendwie werde ich mit diesen Magic nicht warm (es fehlt jegliche Magie, höhö). Vor allem ist die Abwehr längst nicht so stark wie im Vorjahr. Mich würde also wenig wundern, wenn Orlando in den Play-Ins (an ein Klettern auf Platz 6 nach dem Grunddurchgang glaube ich trotz knappen Rückstands nicht mehr) scheitern würden; Zurzeit würde ich Atlanta, Philly, Toronto und auch Charlotte stärker einschätzen. Ähnliches wie für Orlando gilt für die Miami Heat. Das Glück für die Florida-Teams: meine Vorhersagen treffen recht selten zu.

Mein Tipp ist also mit größter Vorsicht zu genießen, lautet aber:

5. Atlanta Hawks
6. Philadelphia 76ers
7. Charlotte Hornets
8. Toronto Raptors
9. Orlando Magic
10. Miami Heat

Auf Wiedervorlage Montag in einer Woche, dann bin ich aber schon in Griechenland …