Blick über den Teich, NFL
Die gute Nachricht zuerst: Die beiden Conference Finals in AFC und NFC können stattfinden. Der große Wintersturm samt Eiseskälte, der einige Bundesstaaten der USA mit voller Wucht traf und weitgehend lahmlegte, hat offenbar einen Bogen um die Spielstätten Denver und Seattle gemacht. Dort wird es zwar auch recht unangenehm, aber es bleibt alles im Rahmen.
Ermittelt werden heute Abend also die beiden Super-Bowl-Kontrahenten, die in 2 Wochen in Santa Clara nahe San Francisco den diesjährigen Champion ausspielen. Ich würde sagen: Alles ist völlig offen, jedem der 4 verbliebenen Teams gebe ich heute Siegchancen. Favorit in 2 Wochen wird auf jeden Fall das NFC-Team sein.
So., 21:00: Denver Broncos – New England Patriots (AFC)
Beim mühsamen Sieg in der Divisional Round über die Buffalo Bills hat sich Broncos-Quarterback Bo Nix in einem der letzten Spielzüge so schwer am Knöchel verletzt, dass er heute fehlt (und auch in einem potenziellen Super Bowl). Das ist natürlich ein Riesennachteil, denn niemand weiß, wie gut sein Ersatz Jarrett Stidham ist, der in dieser Saison bei genau vier Snaps auf dem Feld stand und dabei nicht einen einzigen Pass warf. Der Vorteil: Auch der Gegner aus New England hat keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Defensiv-Vorbereitung der Pats-Coaches stelle ich mir interessant vor. Etwa mit Stidhams Vorstellungen aus College-Zeiten? Es wäre auch nicht das erste Mal, wenn ein Backup plötzlich das Spiel seines Lebens abliefert (allerdings auch nicht garantiert).
Die Pats übersprangen in der Runde zuvor die Hürde Houston Texans. Nicht wegen einer überragenden Offensiv-vorstellung, sondern weil Texans Quarterback CJ Strout einen indiskutablen Tag hatte und in der 1. Halbzeit gleich fünfmal den Ball zum Gegner warf. Da schadeten die eigenen 3 Ballverluste nichts. Eines dürfte heute in der Höhe von Denver klar sein: Der hochgelobte Patriots-Quarterback Drake Maye braucht in seinem ersten Play-off-Auswärtsspiel einen weitaus besseren Tag, dass er dazu in der Lage ist, hat er in dieser Saison schon gezeigt.
Und die Broncos? Zumindest nach außen hat Stidham das volle Vertrauen der Trainer, was soll Chefcoach Seaxn payton auch sagen? Inwieweit sich dieses Vertrauen in den Spielzügen in der Offensive widerspiegelt, das ist die große Frage. Eines allerdings ist klar: Nur mit Laufspiel und guter Verteidigung wird es gegen die Patriots nicht gehen. Der Heimvorteil ist nicht zu vernachlässigen, auch nicht die Höhe Colorados. Dennoch:
🧠 Patriots (der Quarterback machts dann halt doch)
❤️ Broncos (eher notgedrungen, weil mir die extrem nevende Pats-Siegesserie mit Tom Brady noch im Magen liegt und längst nicht lange genug vorbei ist.
Mo., 00:30: Seattle Seahawks – Los Angeles Rams (NFC)
Nach Meinung fast aller Auguren und Experten wird der Sieger dieser Partie in 2 Wochen auch die vince-Lombardy-Trophäe in die Luft stemmen. Nur wer das sein wird, darüber gehen die Meinungen auseinander, falls sich besagte Experten überhaupt zu einem Tipp herablassen (auch was die erwartbare Qualität der Auseinandersetzung heute Nacht wird).
Die beiden Divisionsrivalen aus Seattle und LA trafen in dieser Saison schon zweimal aufeinander, zweimal war es äußerst knapp. Zuletzt im November setzten sich die Seahawks in einem gleichsam absurden wie unterhaltsamen Shootout gegen die Rams durch, was ihnen den Heimvorteil bescherte. Ob es heute erneut zu einem Offensiv-Feuerwerk kommt, wage ich eher zu bezweifeln, Play-offs machen die Trainer eher vorsichtig, und gerade die Seahawks mit ihrem Quarterback Sam Darmold werden vesuchen, ihre große Anzahl von Ballverlusten zu minimieren. Zumindest in der Theorie heißt das: lieber einen gefährlichen Pass weniger, die Defense wirds dann schon richten. Apropos Darmold: Einst sogar von den darbenden New York Jets mit Schimpf und Schande davongejagt, zeigte er letztes Jahr in Minnesota und eben jetzt in Seattle, dass er doch mehr ist als nur ein brauchbarer Quarterback. Eher einer, mit dem man 10+ Spiele/Saison gewinnt.
Ginge es allein nach dem besten Spieler auf dem Feld, wäre die Sache klar: Seahawks Wide Receiver Jaxon Smith-Njigba klaubt praktisch jeden Ball aus der Luft, der auch nur in seine Nähe kommt, egal wie irre seine Laufwege zuvor auch waren. Die Rams-Verteidigung erscheint mir auch nicht so sattelfest, als dass sie alle Passversuche von Darmold verhindern könnte. Verzichten müssen die Gastgeber allerdings auf ihren Running Back Zach Charbonnet, zuletzt durchaus ein tragendes Element in der Offensive.
Auf der anderen Seite ist Rams Spielmacher Matthew Stafford trotz seiner mittlerweile 37 Jahre immer noch einer der besten der Liga, verfügt mit Puca Nacua und Davante Adams ebensfalls über exzellente Ballfänger – und überdies kann das Laufspiel um Kyren Williams jeden Gegner überrennen, sogar die beinharte Defense der Seahawks.
Eine völlig offene Partie also: die im Zweifel von Unwägbarkeiten wie verschossene Field Goals (und überhaupt die Special Teams) entschieden werden könnte. Außedem die große Frage: Können die wahnsinnigen Seattle-Fans, die mit ihrem Ddüsenjet-Lärm und Trampeln im eigenen Stadion schon kleine Erdbeben ausgelöst haben (wirklich gemessen!), am Ende den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen?
🧠 Seahawks (ich vertraue aufs Erdbeben …)
❤️ Seahawks (Sam Darmold, der Verkannte)
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