Die WM in Amerika wird ohne Italien stattfinden. Der vierfache Weltmeister scheiterte in der 2. Play-off-Runde an der Großmacht Bosnien-Herzegowina. Im schmucken Stadion von Zenica entschied das Elfmeterschießen, das Geschrei und die Trauer in der Heimat sind groß.
Ebenfalls am letzten Schritt scheiterten Kosovo (gegen die Türkei), Polen (in Schweden) und Dänemark (in Tschechien). Die beiden allerletzten WM-Tickets schnappten sich die DR Kongo (gegen Jamaika) und der Irak (Bolivien).
Bei aller sportlicher Tristesse, die jetzt die Squadra Azzurra umgibt, nachdem sie zum dritten Mal hintereinander nach 2018 und 2022 das Endturnier verpasste: Vielleicht war diese Niederlage die eleganteste Art und Weise, das Trumpel-Turnier zu boykottieren. Es besteht also nicht die Gefahr, dass der Verbandspräsident wie in Deutschland Bernd Neuendorf sich komplett lächerlich macht und den FIFA-Chef Gianni Infantino devot umschmeichelt, auf das er noch ein bisschen mehr vom rech gedeckten Spesentisch abgreifen darf. Kein italienischer Spieler wird sich blamieren, wenn er angesichts der Kriegsnation USA sich allein aufs Sportliche („Krieg?! interessiert mich nicht!“)konzentriert und dabei wie ein Volldepp wirkt, dessen Hirn allein aus Fußball und dem damit verbundenen Geldverdienen besteht; dem der Rest des Weltgeschehens völlig am Allerwertesten vorbei geht.
Aus deutscher Sicht muss ich sagen: Was DFB-Präsident. Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Bundestrainer Julian Nagelsmann diesbezüglich an Komplett-Ignoranz und Wurschtigkeit zum Schlechtesten gegeben haben, beschämt mich zutiefst. Entsetzlich fand ich vor allem, wie der Infantino-hörige Bernd Neuendorf auch nur die Idee eines WM-Boykotts der großen europäischen Nationen abgekanzelt hat, den sein Vize Oke Göttlich ins Spiel gebracht hatte.
Entlarvend dazu die Magenta-Werbesendung vor gut einer Woche: Was der alle 104 (!) WM-Partien da an Superlativen und Vorfreude fürs angeblich „beste Turnier aller Zeiten“ von sich gegeben wurde, war schlicht entsetzlich und lässt Entsetzliches erahnen: nämlich dass es allein um Fußball gehen wird, egal welche (Kriegs)-Sauereien sich der WM-Gastgeber USA noch leistet und welche Gräueltaten sich die Drogen-Mafia in Mexiko leistet. Erwachsene und eigentlich respektable Menschen wie Red-Bull-Super-Sport-Koordinator Jürgen Klopp, MLS-Export Thomas Müller und die Reporterin-Geheimwaffe Laura Wontorra überboten sich an Superlativen zum anstehenden Turnier. Zu Trump und sein rechtswidriges Kriegsgemetzel im Iran (immerhin ein WM-Teilnehmer): kein Wort. Ebensowenig zu der unsicheren Sicherheitslage wegen des Drogenkrieges in Mexiko und zu der indiskutablen Hatz auf Migranten in den Staaten. Alles wird super, duper, tralala.
Ach, was beneide ich die Italiener, die dieses unwürdige Spektakel bestenfalls distanziert betrachten, wenn sie es überhaupt interessiert. Unsereiner setzt sich dann halt doch vor den Fernseher (weils halt WM ist).
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