Es ist das unwürdige Ende (zumindest vorläufig) eines insgesamt unwürdigen Fußball-Turniers. Gut 2 Monaten nach dem denkwürdigen Finale des Afrika-Cups meinte der Kontinental-Verband, dass er noch einmal entscheidend eingreifen müsste. Ein Berufungsgericht disqualifizierte den Sieger Senegal und schusterte dem unterlegenen Finalisten den Titel zu.
Zur Erinnerung in aller Kürze: Als in der Nachspielzeit des Finales in Rabat Marokko gegen Senegal der Schiedsrichter einen absurden Elfmeter für die marokkanischen Gastgeber verhängte, verließen die senegalesischen Spieler aus Protest das Feld; zumal derselbe Schiedsrichter Minuten zuvor ein reguläres Tor für sie aus unerfindlichen Gründen annullierte. Erst nach langem Zuredens ihres Kapitäns Sadio Mané kamen sie nach gut 20 Minuten zurück, und die Partie wurde fortgesetzt. Der Marokkaner Brahim verschoss den Strafstoß, und in der folgenden Verlängerung erzielten die Senegalesen den Treffer zum entscheidenden 1:0. So weit, so unschön. Näheres hier (bis zum Ende scrollen).
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Anstatt die sportlich klar entschiedene Sache auf sich beruhen zu lassen und sich mit dem Vize-Titel zu begnügen, legte der marokkanische Verband Protest ein. In der ersten Instanz wurde dieser in der Hauptsache abgeschmettert, allerdings befand die Disziplinarkommission, dass es Regelverstöße gegeben hat. Unter anderem wurde der senegalesische Trainer als „Rädelsführer“ mit 5 Spielen Sperren bestraft, die Gastgeber ihrerseits müssen eine Geldbuße zahlen unter anderem, weil während der gesamten Partie die Balljungen versucht hatten, das Handtuch des senegalesischen Torhüters zu entwenden, das bei strömendem Regen bitter notwendig war.
Doch noch immer wollte sich der marokkanische Verband nicht zufriedengeben und legte Berufung ein. Und tatsächlich entschied jetzt das Berufungsgericht, dass der Protest zulässig sei. Das Ergebnis wurde aufgehoben, die Partie mit 3:0 für Marokko gewertet, die sich damit Afrika-Meister nennen dürfen. Sogar den entsprechenden Paragraphen fand man: Durch das widerrechtliche Verlassen des Spielfeldes habe Senegal die Partie aufgegeben, die 3:0-Wertung sei also zwingend. Kein Wort dazu, dass das Team wieder zurückgekehrt war, dass (sogar dieser parteiische) Schiedsrichter und auch der Gegner Marokko mit einer Fortsetzung einverstanden waren, dass die Begegnung also ihr reguläres Ende fand. Der Sinn der angeführten Regelung, dass nie und unter keinen Umständen ein Team profitieren soll, wenn es ohne Grund vorzeitig die Partie beendet, wurde hier bis ins Lächerliche ausgedehnt. Natürlich war das Verhalten der senegalesischen Spieler grenzwertig, manche werden sagen komplett falsch: Doch mit der gesamten Vorgeschichte, nämlich dass von vornherein Marokko unter allen Umständen triumphieren sollte, unter Umgehung auch der geringsten Maßstäbe an Fairness und Achtung sportlicher Kontrahenten, mit nicht nur in diesem Marokko-Spiel erkennbar einseitigen „Unparteiischen“, war dieses Verhalten zumindest erklärbar. Spätestens nach der Rückkehr war der Verstoß auch „geheilt“, niemand hatte einen echten Nachteil. Und niemand hat den Elferschützen Brahim Diaz befohlen, einen lächerlichen „Panenka“ zu probieren, anstatt dass er den Ball unerreichbar in eine Toreck gedroschen hätte. So schwach war der Versuch, dass manche ihn sogar des absichtlichen Verschießens wegen beschimpften.
Warum jetzt die schwerst mögliche Entscheidung gefällt wurde (nämlich das Aberkennen des regulär zustandegekommenem Ergebnisses), darüber kann ich natürlich nur spekulieren. Tatsache ist, dass der afrikanische Verbandspräsident ein ganz enger Gefährte von FIFA-Boss Gianni Infantino ist. Dass dem Schweizer ein Triumphator Marokko um vieles lieber gewesen wäre als Senegal, konnte jeder unschwer bei der Siegerehrung sehen. Marokko ist nämlich Co-Gastgeber der WM 2030, und wenn einer weiß, wie man sich bei WM-Gastgebern einschleimt und ihnen in den Hintern kriecht jenseits aller Schamgrenzen, dann ist es der erbärmliche Infantino (remember Trump im Dezember). Außerdem hat Infantino ebenfalls schon öfter gezeigt, dass ihm der Sport und auch der Fußballsport völlig gleichgültig sind, Hauptsache der Dollar rollt. Dass ein sportlicher höchst traditioneller Wettbewerb wie der Afrika-Cup katastrophal entwertet wird (allein durch die Tatsache, dass erst nach 2 Gerichtsinstanzen der Sieger feststeht), ist diesem Mann völlig egal .
Und es ist noch nicht vorbei: Der völlig zurecht wutschnaubende Senegal wird Berufung gegen dieses skandalöse Urteil bei CAS einlegen. Ob allerdings der nicht minder skandalumwitterte Sportsgerichtshof diesem stattgeben wird, das bezweifle ich. Zu Fifa-hörig haben sich die Herrschaften bisher erwiesen. Sie folgen auch gerne dem Geld, wie die immer noch geradezu unfassbaren Fast-Freisprüche der dopenden Tennis-Stars Iga Swiatek und Jannik Sinner zeigten, während man die sog. kleinen Fische drakonisch bestraft (kein Fall ist wie der andere, ich weiß).
Letztlich ist es fast egal, wie es ausgeht: Katastrophaler Verlierer ist vor allem der afrikanische Fußball. Mögen die Marokkaner zu Hause mit Hupkonzerten jubeln, mögen die marokkanischen Spieler Jubel-Posts veteilen. Jeder weiß, dass sie sportlich verloren haben. Jeder weiß nun auch, dass sie erbärmlich-abscheuliche Verlierer sind, nicht nur bei mir werden sie jeglichen Respekt verloren haben. Europäer schauen eh mit einer Mischung aus Verachtung und Belustigung und Respektlosigkeit auf dieses afrikanische Fußballfest. Wer wird nach dieser absoluten Farce schon noch gerne (und vor allem erfolgreich) Argumente suchen, dass dies tatsächlich ein wichtiger Wettstreit ist, der sportlich fair auf dem Spielfeld entschieden wird.
Super interessant und wie immer super geschrieben. Merci!