Das wird die Bundesliga 24/25, die wird, Teil 2

                            Die Mitte

 

Hier sind für mich die größten Unwägbarkeiten. Jedes der Teams kann (in gewissen Grenzen) nach oben durchstarten oder nach unten durchgereicht werden. Normalerweise allerdings werden sie weder mit den Champions-League-Plätzen noch mit echter Abstiegsgefahr zu tun haben. Allerdings lehrt die Erfahrung: Es gibt in jeder Saison Außreißer nach oben und unten, siehe vergangene Saison der VfB Stuttgart einerseits und der 1. FC Union andererseits.

EINTRACHT FRANKFURT

Überblick:

Vergangene Saison klar the best of the Rest hinter den „Großen“ 5. Wirklich schwächer ist der Kader nicht geworden – im Gegenteil. Die Offensive, die vergangene Saiosn nach dem Weggang von Kolo Muani etwas brachlag, ist nominell besse. Allerdings haben mit Sebastian Rode und Makoto Hasebe zwei Eintracht-Urgesteine ihre Karriere beendet.

Player to watch
Von den Neuzugängen finde ich Can Uzun am spannendsten, den die Eintracht für immerhin 11 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg verpflichtete. Der Türke ist ein echtes Juwel mit seinen erst 18 Jahren. aber natürlich braucht er den richtigen Schliff, den er an der Seite von Mario Götze durchaus bekommen kann.
Ende der vergangenen Saison startete Winter-Neuzugang Hugo Ekitke richtig durch. Wenn er diese Form transportiert, könnte er zusammen mit Omar Marmoush ein sehr schlagkräftiges Sturmduo bilden.

Mögliche Fallstricke
Wie gesagt: Zwei absolute Teamleader auf und außerhalb des Spielfeldes sind nicht mehr dabei. Mit Schlussmann Kevin Trapp gibt es noch einen Führungsspieler, der aber nicht die beste Spielzeit hinter sich hat. Der allerdings dürfte sehr motiviert sein, weil nach Manuel Neuers Rücktritt das Nationalteam wieder offener ist.
Trotz der zufriedenstellenden Punkte-Ausbeute: Mit der wenig attraktiven Spielweise von Trainer Dino Toppmöller waren die anspruchsvollen Fans nicht immer einverstanden. Solange der Erfolg sich einstellt, kein Problem: aber wehe, die Punkte bleiben aus.
Zumal an der Vereinsspitze Peter Fischer nicht mehr das Sagen hat. Er war DAS Gesicht des Clubs, sehr deutlich in seiner Ansage auch außerhalb des Sports. Diese charismatische Figur wird fehlen, obwohl Peter Fischer sicher noch einige Fäden in der Hand hält.

Die ersten Spiele
Borussia Dortmund A
1899 Hoffenheim H
VfL Wolfsburg A
Bor Mönchengladbach H
Schwerer Beginn in Dortmund, dann drei Spiele mehr oder weniger auf Augenhöhe.

Fazit
Die vergangene Saison lief sicher besser als erwartet. Nur die Finalniederlage des BVB in der Champions League verhinderte, dass jetzt die Eintracht auch in der Königsklasse spielen darf. Grundsätzlich sind die Hessen nicht schlechter geworden, aber sie müssen ihre PS auch auf die Straße bringen. Ein einstelliger Tabellenplatz ist auf jeden Fall drin.

1899 HOFFENHEIM

Überblick
Mein dark horse. Die vergangene Saison schlossen die Kraichgauer mit dem bisher in der Liga einmaligen Torverhältnis von 66:66 ab, womit Schwächen und Stärken schon klar benannt sind. Mit Maxi Beier verließ der aufregendste Spier den Verein in Richtung Dortmund.

Player to watch
Adam Hlozek/Haris Tabakovic: Die einzigen echten Neuen im Sturm. Hlozek ist ein toller Stürmer, es hat halt bei Bayer Leverkusen nicht geklappt, aber da sehe ich großes Potenzial. Das gilt auch für Tabakovic, der von Hertha kam und dort in der 2. Liga mit der beste Berliner war.
Oliver Baumann: Geht ins 11. Jahr bei Hoffenheim. Konstant starke Leistungen, und wie Kevin Trapp spitzt er in Richtung Nationalteam

Mögliche Fallstricke
Extreme Unruhe: Das „möglich“ kann ich schon streichen angesichts der Unzufriedenheit der Fans über die Vereinsführung, die tabula rasa machte. Insbesondere der Rauswurf von Alexander Rosen, seit dem Aufstieg 2008 bei der TSG tätig, stieß auf Unverständnis. .
Europa League: Wie verkraftet der Kader die Spiele während der Woche. Oder will Trainer Mateazzi die Partien mehr oder weniger abschenken?

Erste Spiele
Holstein Kiel H
Eintracht Frankfurt A
Bayer Leverkusen H
1. FC Union A
Gleich ein Heimspiel gegen einen Aufsteiger im für Hoffenheim-Verhältnisse brodelnden Umfeld. Kein Sieg, und schon sprechen alle vom Fehlstart, zumal die folgendne Partien keine Siege versprechen.

Fazit
Ob wir wieder 132 Tore mit Hoffenheim-Beteiligung sehen? Attraktiv und unterhaltsam war es ja. Sturmpower ist trotz Beiers Abgang weiter da, auch dank Andreij Kramaric, immerhin im 100er-Club der Bundesliga-Torjäger (als einziger Aktiver neben Thomas Müller)

1. FC HEIDENHEIM

Überblick
Was für eine Saison des Neulings. Dass die Württemberger in die Conference League stürmen würden, hätte ich dann doch nicht erwartet, auch wenn ich sie in meiner Vorschau 23 nicht als Absteiger gesehen habe, wenn ich mir auf die Schulter klopfen darf … Jetzt die traditionell schwierige zweite Saison, ohne absolute Leistungsträger wie Tim Kleindienst, Jan Niklas Beste und Erin Dinkci, für einen Großteil der Treffer verantwortlich.

Player to watch
Paul Wanner gilt als eines der größten Talente, das die Nachwuchsakademie des FC Bayern hervorgebracht hat. Jetzt, mit 18, könnte die Leihgabe durchstarten.
Gespannt bin ich auf Mikkel Kaufmann, den die Heidenheimer für die Vereins–Rekordsumme von 1,25 Millionen Euro vom 1. FC Union loseisten. Dort hat er seine Fähigkeiten allenfalls angedeutet.

Mögliche Fallstricke
Die Abgänge wiegen schon schwer, weil vor allem Kleindienst und Beste absolute Identikikationsfiguren waren. Bisher ist der unfassbare Werdegang der Heidenheimer ein dauerndes Auf. Wie reagieren Verein und Umfeld auf Rückschläge? Große Gefahr sehe ich allerdings nicht, denn die Heidenheimer wissen genau, wo sie herkommen und genießen einfach ihr Bundesliga-Dasein.
Wie handhabt der Club die ungewohnte Doppelbelastung Bundesliga/Conference League? Ich gehe mal davon aus, dass Heidenheim die Quali schafft.

Erste Spiele
St Pauli A
FC Augsburg H
Borussia Dortmund A
SC Freiburg H
Da sollten sich schon einige Punkte auf dem Konto ansammeln.

Fazit
Ein erneuter Platz 9 ist utopisch, der Klassenerhalt nicht. Es geht wieder nur mit mannschaftliche Geschlossenheit, enormer Disziplin und Laufbereitschaft. Trainer Frank Schmidt hat bisher noch immer die richtigen worte und Taktik gefunden.

WERDER BREMEN

Überblick
Seit Ole Werner das Traineramt Ende 2021 übernahm, geht es aufwärts: Aufstieg 22, sicherrer Klassenerhalt 23, Schn uppern an den internationalen Plätzen 24, die nur wg des schlechteren Torverhältnis vepasst wurden. der Kader blieb zusammen und hat sich punktuell verstärkt, jetzt schielen die Hanseaten unverhohlen Richtung Europa.

Player to watch
Marco Friedl ist zum absoluten Führungsspieler gereift. Ihn hat es sehr gewurmt, dass ihn Ralf Rangnick nicht fürs österreichische EM-Team nominierte. mit starken Leistungen will er sich unentbehrlich machen.
Keke Topp: 3 Tore beim 3:1 Pokalerfolg beim FC Energie Cottbus, besser konnte es für den Neuzugang aus Schalke nicht laufen. Natürlich wird er nicht n jedem Spiel 3 Tore erzielen, aber eine Verstärkung dürfte er allemal sein.

Mögliche Fallstricke
Schock vorm Saisonstart: Völlig überraschend ist Willi Lemke, der Werder-Macher, wie wir das Team heute kennen, gestorben. Auch wenn er keine offizielle Funktion mehr ausübte, wichtiger Ratgeber war er allemal. Sein Wissen, seine Ratschläge  auch in unruhigen Zeiten werden fehlen.
Was wird mit Naby Keita: Die vermeintliche Top-Verpflichtung 2023 war bisher ein Rohkrepierer, auch verletzungsbedingt. Kann er sich noch mal einbringen oder stiftet er mit Unzufriedenheit Unruhe?

Erste Spiele
FC Augsburg A
Bor. Dortmund H
Mainz 05 A
Bayern München H
Extrem heikel mit zwei Heimspielen gegen absolute Spitzenteams. Da droht ein veritabler Fehlstart, wenn bei den Mitkonkurrenten nicht gepunktet wird.

Fazit
Eigentlich ist Werder gut aufgestellt. Der Wechsel in der Sportlichen Leitung von Frank Baumann zu Clemens Fritz verlief recht geräuschlos (nicht dass ich jetzt das Magenblatt Syker Kreiszeitung sklavisch verfolgt hätte). Bauchschmerzen bereitet mir das Auftaktprogramm. Wenn dies allerdings mit 5, 6 Punkten absolviert wird, kann das ein richtig gutes spieljahr werden.

SC FREIBURG

Überblick
Tatsächlich: Kein Christian Streich. Daran müssen sich alle Fußballfreunde erst gewöhnen. Die Nachfolge wurde typisch-freiburgerisch vereinsintern gelöst. Der langjährige Kapitän und Assistent unter Streich Dirk Schuster übernimmt das Kommando. Der will nicht alles auf links drehen, verspricht aber eine offensivere Spielweise. Und wie immer in Freiburg hofft er, das eine oder andere Talent zu den Profis hochzuziehen.
Eines ist klar: Die gesamte Bundesliga wird die klaren Ansagen von Christian Streich (nicht nur) gegen Rechts sehr vermissen. Ich persönlich hoffe sehr, dass er bald wieder irgendwo im deutschen Fußball oder gar Sport allgemein auftaucht.

Player to watch
Vincenco Grifo: Der Meister der Standards mit dem begnadeten linken Fuß. Bis ins italienische Nationalteam hat er es geschafft, auch wenn er bei der EM zusehen musste.
Noah Atobolu: Es war durchaus ein Wagnis, als Streich den damals 21-Jährigen vor der vergangenen Saison zum Stammtorwart kürte. Der Schlussmann dankte es mit einer mehr als ordentlichen Saison. Jetzt hat er ein Jahr Erfahrungen sammeln können, die ihn in die absolute Torwart-Spitzenklasse hieven können.

Mögliche Fallstricke
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es nach einer langen Trainer-Ära durchaus knirschen kann. Das eher ruhige Freiburg-Umfeld schützt allerdings vor Schnellschüssen

Erste Spiele
VfB Stuttgart H
FC Bayern A
VfL Bochum H
1. FC Heidenheim A
Gleich ein echtes Knallerspiel Baden vs Württemberg. Die Partien vs Bochum und Heidenheim dürften schon ein kleiner Wegweiser sein.

Fazit
Große Fußstapfen, die Christian Streich hinterlässt, aber Julian Schuster traue ich mindestens eine kontrollierte Saison zu ohne Abstiegsgefahr. Top-Spieler wie Grifo und Michael Gregoritsch darf allerdings nichts Gravierendes passieren.

FC AUGSBURG

Überblick
Der Inbegriff der Mittelklasse. 13 Jahre schon in der Bundesliga, zuletzt 9 Saisons zwischen 11 und 15. Meist relativ früh gerettet und immer sehr unangenehm zu bespielen. In der vergangenen Saison waren die Schwaben auf einem guten Weg gar Richtung Europa, vevor sie diese Chance mit 5 Abschlussniederlagen selbst begruben.
Jetzt setzt Jess Thorup auf einen breiteren Kader und mehr Konkurrenz. Der Trainer selbst kam während der vergangenen Spielzeit, und plötzlich war so etwas wie attraktive Offensive zu bestaunen, bis dato nicht der Begriff, den ich mit dem FCA in Verbindung brachte.

Player to watch
Sami Essenda: Neuzugang aus der portugiesischen Liga. Ein schneller, kräftiger Angreifer, der den Abgang von Ermedin Demirovic kompensieren soll. Er weiß, wo das Tor steht, traf für Vizela, wahrlich kein Top-Club in Portugal, 15-mal.
Arne Maier: Galt einst als überragendes Talent bei Hertha BSC, den Berliner Experten den Sprung in die absolute Spitze zutrauten. Verletzungen verhinderten das, aber in Augsburg liefert er mehr als solide Leistungen ab. Wenn die noch schlummernden Top-Fähigkeiten zutagekomemn, könnte der FCA große Freude haben.

Mögliche Fallstricke
Mit Stefan Reuter ist ebenfalls eine ganz prägende Figur nicht mehr dabei. Er ist nicht nur ein toller Kaderplaner gewesen. Er war auf der Bank Initiator einiger Scharmützelm neben den Spielfeld. Ein typisches Bild: eine vermeintliche Fehlentscheidung, und Reuter plus der Augsburger Mob springend wütend von der Bank auf, fuchtel mit den Armen, brüllen Unverständliches.

Erste Spiele
Werder Bremen H
1. FC Heidenheim A
FC St. Pauli H
FSV Mainz H
Was für eine Chance: 3 Heimspiele gegen schlagbare Gegner, und auch das Auswärtsspiel im nahen Heidenheim scheint nicht unlösbar. Wehe allerdings, die Erfolge bleiben aus, dann könnte es eine schwierige Saison geben.

Fazit
Unfassbar: Der FCA gehört zu den Teams, die noch nie aus der 1. Bundesliga abgestiegen sind. Höhere Weihen als den mehr oder weniger sicheren Klasenerhalt gab es bisher nicht. Daran wird sich wahrscheinlich nichts ändern, lautet die Hoffnung/Befürchtung der Fans.

VFL WOLFSBURG

Überblick
Für mich waren die Wolfsburger neben Gladbach die größte Enttäuschung der abgelaufenen Saison. Angesichts der VW-Millionen ist Platz12 ein Armutszeugnis. Die Niedersachsen konnten sogar froh sein, nicht noch tiefer in den Abstiegsstrudel geraten zu sein. Das Gute: Es kann praktisch nur besser werden, und ds wird es mE auch. Auch wegen Trainer Ralph Hasenhüttl und dem neuen Sportchef Peter Christensen, die neuen Wind bringen in die ziemlich ausgelatschten Pfade.

Player to watch
Kamil Grabara: Den Torwart hat Christensen von seinem Ex-Club FC Kopenhagen gleich mitgebracht, wo er mit herausragenden Leistungen gerade in der Champions League positiv auffiel. Er und Marius Müller bilden das neue Torwartduo, da Koen Casteels den Club verlassen hat und Pavao Pervan offenbar keine Rolle mehr spielt.
Kofi Amoako: Wenn der Neuzugang von Union Gilloise nur halb so gut einschlägt wie dessen ehemaliger Vereinskollege Victor Boniface, werden die Wolfsburger viel Freude an ihrem trickreichen Stürmer haben. Und nächstes Frühjahr bestimmt die Kaufklausel ziehen. Überhaupt wirkt de Sturm gut aufgestellt mit Däne, wenn nur der Däne öfter seine Top-Leistungen und Torgefahr abrufen könnte. Seine Formschwankungen sind allerdings besorgniserregend.

Mögliche Fallstricke
VW hat das Budget des VfL um 10 Millionen aufgestockt. Angesichts der sonstigen Sparmaßnahmen personellem Abbau kann das bei sportlichem Misserfolg schon ein Ärgernis werden. Der Kadr muss liefern, das internationale Geschäft ist nahezu Pflicht. Sonst ist die dänische Ruhe (um Hygge zu vermeiden), die Christensen ausstrahlt, schnell dahin.

Erste Spiele
FC Bayern H
Holstein Kiel A
Eintracht Frankfurt H
Bayer Leverkusen A
Gleich die Bayern zu Hause: Da kann ein Sieg extremen Rückenwind entfachen.

Fazit
Viel ist angerichtet für eine deutlich bessere Saison. Dmentsprechend groß ist aber auch die Erwartungshaltung. Ein Platz fürs internationale Geschäft muss fast schon herausspringen.

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH

Überblick
Die abgelaufene Spielzeit verlief unbefriedigend. Es hakte in allen Mannschaftsteilen. Seltsam unambitioniert wirkte das Gekicke, der ganze Verein versank in Lethargie, die bis zur Vereinsführung umzugreifen schien.
Platz 14 solll sich nicht wiederholen, soviel ist klar, die stete Spirale in die unteren Tabellenregionen aufgehalten werden. Einstellig soll der Rang werden, auf mehr wagt niemand zu hoffen.

Player to watch
Allasane Plea: Ein aufregender Angreifer, der an guten Tagen jede Abwehr vor schwer zu lösende Probleme stellt.
Kevin Stöger: Neben Tim Kleindienst ist der Österreicher der Königstransfer. Er war mit Abstand der beste Bochumer und wesentlich dafür verantwortlich, dass die nicht abgestiegen sind. Stark bei Standards und Zweikämpfen, eine Führungsgestalt. Vererbung ist was Schönes wird Papa Peter Stöger denken .

Mögliche Fallstricke
Tony Jantschke – Karriere-Ende. Patrick Herrmann – Karriereende, Christoph Kramer – Vertragsauflösung. 3 Vereinsikonen gleichzeitig sind nicht mehr dabei. Auch wenn sie zuletzt nicht mehr Stammspieler waren, sie waren ein sehr wichtiger Faktor fürs Innenleben. Diese Lücke gilt es zu schließen.
Bleiben durfte dagegen Trainer Gerardo Seoane -trotz äußerst dürftiger Leistungen seines Teams und einem traurigen Punkteschnitt. von 1,1 Zählern pro Spiel. Er gilt bei diversen Wettanbietern als Favorit für den ersten Trainerrauswurf.

Erste Spiele
Bayer Leverkusen H/2:3
VfL Bochum A
VfB Stuttgart H
Eintracht Frankfurt A
Zwei knifflige Heimspiele und die wegweisende Partie in Bochum. Da droht ein Fehlstart mit den geschäftsüblichen Konsequenzen

Fazit
Die Fohlen versprechen Besserung und die könnte tatsächlich eintreten, wie auch der trotz der Niederlage durchaus achtbare Auftakt gegen Bayer Leverkuse zeigt. Einen Kurssprung wird es aber nicht geben, Stuttgart-Höhenflüge von einem aufs andere Jahr sind rar gesät.

 

Das wird die Bundesliga 24/25, die wird, 1. Teil

Kaum zu glauben: Bereits am heutigen Freitag beginnt mit der Partie Borussia Mönchengladbach gegen Bayer Leverkusen die 62. Bundesliga-Saison. das Oberhaus ist damit gerade mal vier Tage älter als ich, wenn ich den 1. Spieltag überhaupt am 25. August 1963 zum Maßstab nehme. Höchste Zeit also, meine Fußball-Lethargie abzustreifen. Ich werde mich in voraussichtlich drei Teilen (Top-Clubs, Mittelfeld, Abstiegskandidaten) um die 18 Clubs kümmern. Die Reihenfolge entspricht der Tabelle der vergangenen Saison. Ganz am Ende der Vorschau gibt es „meine“ Tabelle

Die Topteams

BAYER LEVERKUSEN

Überblick

Bayer hat ein Problem: Es kann eigentlich nur schlechter werden. Denn nach menschlichen Ermessen wird es das Team nicht schaffen, erneut eine gesamte Saison ungeschlagen zu bleiben. Irgendwann gibt es kein Ausgleichstor mehr in letzter Minute.. Zumal jetzt die Leverkusener die Gejagten sind, zusätzlich mit der größeren Anstrengung Champions League anstatt Europa League. Die Titelverteidigung im Pokal nicht zu vernachlässigen.
Große Sorgen muss sich Trainer Xavi Alonso allerdings nicht machen. Der Kader blieb weitestgehend zusammen, vom Stammteam verließ nur der ausgeliehene Josip Stanisic den Club Richtung FC Bayern sowie Stürmer Adam Hlozek, der nie wirklich den Durchbruch schaffte. Dafür wurde der Kader sinnvoll verstärkt, der Coach hat noch mehr Möglichkeiten.

Player to watch
Ich bin sehr gespannt auf Neuzugang Aleix Garcia, der vom spanischen Sensationsteam FC Girona kam. Mit ihm kommt ins Mittelfeld enorme spielerische Qualität.
Auch Patrik Schick ist sehr zu beachten: Der Tscheche hat ein schwierigess Jahr voller Verletzungen hinter sich. Jetzt ist er wieder voll fit und ist eine echte Alternative zu Victor Boniface.

Mögliche Fallstricke
Dieses Jahr bleib der Kader noch zusammen, aber 2025 läuft der Vertrag von Xabi Alonso aus. Und Real Madrid ist der logische (HerzensVerein. Das könnte Unruhe bringen, zumal einige Spieler ihr Schicksal mit dem Spanier verbinden wie audrücklich Florian Wirtz. Bayer ist bei aller Wertschätzung eben noch längst kein Weltclub; erstaunlich genug, dass alle Top-Spieler ein weiteres Jahr beim Werks-Club angehängt haben.

Die ersten Spiele
1. Bor. Mönchengladbach (A)
2. RB Leipzig (H)
3. 1899 Hoffenheim (A)
4. VfL Wolfsburg (H)
Durchaus tricky. Schon das heutige Spiel bei den Borussen ist heikel, die im heimischen Stadion immer für eine außergewöhnliche Leistung gut sind.

Fazit
Bayer ist bestens aufgestellt. Es gibt keinen vernünftigen Grund, daran zu zweifeln, dass man wieder um die Meistersdhaft mitspielt.

VFB STUTTGART

Überblick
Vielleicht waren der 2. Platz des Fast-Absteigers 2023 und die extrem attraktive Spielweise eine noch größere Überraschung als Bayers Titel. Das zu wiederholen wird sehr schwierig, zumal einige Top-Spieler den Club verlassen haben. Doch Trainer Sebastian Hoeneß ist es durchaus zuzutrauen, dass er erneut einen sehr schlagkräftigen Kader zusammengestellt hat. Der Auftritt beim Supercup-Finale macht zumindest Mut,  ohne dass ich allzu große Rückschlüsse aus ihm ziehen würde.

Player to watch
Sehr gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung von Angelo Stiller. Einer der unauffälligeren und doch so wichtigen Figuren, der jetzt noch mehr in der Verantwortung steht.
Wichtig wird Neuzugang Joel Chabot sein, der in der Verteidigung die große Lücke schließen muss, die die Abgänge von Waldemar Anton und Hiroki Ito hinterlassen haben.

Mögliche Fallsticke
Eben besagte Abgänge und die Neuordnung: Neben Anton und Ito wiegt vor allem der Verlust von Torjäger Serhou Guirassy schwer. Der allerdings eine derartige Wundersaison ohnehin kaum wiederholen wird. Der für ihn verpflichtete Ermidin Demirovic hat durchaus seine Qualitäten.
Und dann ist noch das leidige Thema Fans vs Vereinsführung. Ein Burgfrieden ist wohl beschlossen, allerdings ein ziemlich brüchiger.

Die ersten Spiele
1. SC Freiburg (A)
2. Mainz 05 (H)
3. Bor. Mönchengladbach (A)
4. Bor. Dortmund (H)
Gleich ein Württemberg-Derby in Freiburg (wobei das Echte aus Fansicht das mit dem Karlsruher SC wäre). Das Heimspiel gegen Mainz wird schon einen deutlichen Fingerzeig geben.

Fazit
Trotz der mit Sicherheit schmerzhaften Abgänge ist der VfB gut aufgestellt.  Einen erneuten Platz 2 halte ich zwar für utopisch, aber ich sehe auch keinen Absturz a la 1. FC Union, sondern das internationale Geschäft (Rang 6/7) für realistisch an.

BAYERN MÜNCHEN

Platz 3 ist aus Bayern Sicht eine Zumutung, und alle versprechen eine deutliche Verbesserung. Nach mia-san-mia-Lesart kann das nur der Titel sein und gerne auch mal wieder ein besseres Abschneiden im Pokal als ein Zweitliga-Aus. Klar, die Rückrunde war ein ziemliches Desaster, aber bis Februar waren die Münchner mit Bayer praktisch auf Augenhöhe und haben erst nach der 0:3-Niederlage/Vorführung dort die Saison quasi abgeschenkt, um sich auf die Champions League zu konzentrieren, das hat ja bis zum äußert unglücklichen Aus gegen Real Madrid.
Der Kader ist durchaus stark, aber nicht so angsteinflößend, wie das zu Robben/Ribéry-Zeiten war. Die Neuen haben ihr ohne Zweifel Können noch nie bei einem echten Spitzenclub und unter derartiger Aufmerksamkeit gezeigt. Mit Harry Kane haben sie einen echten Torgaranten.

Player to watch
Alle Augen werden erst mal auf Joao Paulinha gerichtet sein, die sagenumwobene „Holding six“, den Ex-Trainer Thomas Tuchel unbedingt haben wollte und letztlich nicht bekam – einer der Gründe seines Scheiterns. Ob der Portugiese in einem neuen Land, einer unbekannten Liga und fremder Sprache gleich die erwarteten Wunderdinge vollbringt, wird sich zeigen.
Alexsander Pavlovic war Bayerns Aufsteiger in der vergangenen Saison. Oft ist ja die zweite Spielzeit viel komplizierter, weil die Gegner ihn jetzt kennen. Pavlovic wird erst mal alles dafür tun müssen, damit er im defensiven Mittelfeld (vs Paulinha und/oder Kimmich) erst mal einen Stammplatz ergattert.

Mögliche Fallstricke
Da lauern einige: Da ist zum einen die ungewisse Zukunft von Leon Goretzka, der in den Planungen von Trainer Vincent Kompany keine Rolle mehr spielt. Also wechseln, aber Goretzka verdient beim FCB 20 Millionen Euro/Jahr, diese Summe dürfte kein anderer Club zahlen, außer vielleicht aus Saudi-Arabien, eher nicht Goretzkas Ding. Potenzieller Ärger.
Vincent Kompany: Zu behaupten, der Trainer wäre die Wunschlösung der Bayern gewesen, wäre die Übertreibung des Jahres. Der Name des Belgiers ploppte erst auf, als zahlreiche Kandidaten wie Alonso, Rangnick aufgrund bestehender Verträge und/oder mangelnder Lust abgesagt hatten. Der Belgier macht durchaus einen guten Eindruck, aber wehe, der Saisonstart geht schief, sprich: es wird nicht gleich alles gewonnen und möglichst auch alle Gegner noch in Grund und Boden gespielt.
Denn da ist ja noch die Graue Eminenz vom Tegernsee: Ulie Hoeneß hat schon angekündigt, er werde sich jetzt wieder viel öfter melden. Das darf durchaus als Drohung für alle Beteiligten (Freund und Feind) verstanden werden.
Und dann ist da noch das Finale dahoam, sprich das Champions-League-Endspiel 2025 in der Arena. Dieses wiwrd in der gesamten Saison nicht aus den Köpfen verschwinden und spätestens im Frühjahr viel Konzentration kosten.

Die ersten Spiele
1. VfL Wolfsburg (A)
2. SC Freiburg (H)
3. Holstein Kiel (A)
4. Werder Bremen (A)
Zwar 3 Auswärtsspiele, aber es sind durchaus 4 Siege drin. Wehe allerdings, hier werden nicht mindestens 9, 10 Punkte geholt, zumal danach Bayer Leverkusen kommt …

Fazit
Die Meisterschaft ist natürlich drin, wobei ich das eingespielte Bayer Leverkusen leicht vorne sehe. Und wehe der Start geht schief, dann ist richtig Feuer unterm Dach.
Das mögliche Karriere-Ende der Vereinslegenden Manuel Neuer und Thomas Müller ist eine Unwägbarkeit, die motivierend, aber auch hemmend sein kann.

RB LEIPZIG

Überblick
Letztlich wurde souverän erneut die Champions League erreicht, und die Königsklasse wird erneut als Ziel ausgegeben. Ob mehr drin ist, glaube ich eher nicht. Gerade der Abgang von Dani Olmo zum FC Barcelona, mit der beste Akteur der EM, ist nicht zu kompensieren. Wenigstens blieb den Sachsen Xavi Simons erhalten. Um ihn herum dürfte Trainer Marco Rose seine Offensive aufbauen.

Player to watch
Mit dem 18-jährigen Assan Ouedrago kam ein extrem verheißungsvolles Talent von Schalke 04, der das spielerische Niveau enorm anheben kann, aber eben auch in seinem jungen Alter Formschwankungen unterliegt.
Wenn Lois Openda seine Abschlussschwäche ablegt, könnte er eine wahre Torflut beisteuern und sogar einem Harry Kane die Torjägerkrone streitig machen.

Mögliche Fallstricke
Der Kader ist in der absoluten Spitzenklasse relativ dünn. Einem Simons und/oder Openda darf nichts passieren, sonst schaut es gleich ziemlich finster aus. Immerhin gibt es Spieler, die vor dem Durchbruch stehen wie Stürmer Benjamin Sesko und Christoph Baumgartner

Die ersten Spiele
VfL Bochum (H)
2. Bayer Leverkusen (A)
3. 1. FC Union (H)
FC St. Pauli (A)
Zwei Heimsiege sind Pflicht. Ein Aufsteiger so früh in der Saison auswärts alles andere als ideal.

Fazit
Zu gut, um wirklich abzustürzen, zu schwach, um ernsthaft die Meisterschaft anzugehen. Die erneute Qualifikation für die Champions League ist sehr realistisch, nicht mehr, aber auch nkicht weniger.

BORUSSIA DORTMUND

Überblick

Zu welch tollen Taten die dortmunder in der Lage sind, haben sie in der Champions League gezeigt, als sie völlig überraschend ins Finale stürmten und dort Real Madrid nur unglücklich unterlag. Der Bundesliga-Alltag war sehr viel grauer. Platz 5 reichte nur für die Königsklasse, weil die deutschen Teams zusammen mit dem BVB so gut abschnitten.
Das soll sich ändern, und deshalb wurde der Kader extrem verändert. Mit Hummels und  Reus verließen 2 absolute Koriphäen den Club, dazu Füllkrug mit seinen wichtigen Toren. Dafür kamen aufregende Neuzugänge für praktisch jeden Mannschaftsteil: Waldemar Anton, Maxi Beier (offensives Mittelfeld) und Serhou Guirassy für den Sturm. Das klingt tatsächlich nach Verbesserung, doch die Rädchen müssen erst mal ineinandergreifen – angeleitet Nuri Sahin. Der ist zwar ein ein Dortmunder Urgestein, allerdings als Cheftrainer quasi Novize.

Player to watch
Von den Neuen bin ich auf Maxi Beier am meisten gespannt. Dem Ex-Hoffenheimer traue ich den Durchbruch in die absolute Spitzenklasse zu. Wenn nicht diese Saison, dann in der nächsten.
Schlagzeilen hat schon Niklas Süle gemacht. Der hat im Sommer sein schon länger sichtbares Bäuchlein endlich wegtrainiert und wirkt fit wie noch nie. Zumal er auch psychischen Ballast offenbar abgelegt hat. Alle Experten sind sich ja einig, dass ein Süle mit seinen Fähigkeiten das Zeug zu einem der weltbesten Abwehrspieler hat.

Mögliche Fallstricke
Der enorme Erwartungsdruck, den gerade Serhou Guirassy hat. 28 Tore erzielte er für den VfB, kaum weniger werden jetzt erwartet. Dass der Afrikaner jetzt erst mal verletzt ausfällt, ist für ihn selbst und den gesamten Club besonders unglücklich. Zumal Guirassy neben seiner Märchensaison für den VfB auch schon schwächere Spielzeiten im Oberhaus hatte, man frage nach beim 1. FC Köln.
Die Gelbe Wand: Viel Segen, aber manchmal auch Fluch ist die größte Stehtribüne der Welt. Unzufriedenheit wird hier schnell zum Ausdruck gebracht. Eigene Spieler haben dann einen schweren Stand
Die Vorstandsriege: Nach dem Abgang des Allmächtigen Aki Watzke Richtung DFL hat sich die Spüortliche Leitung verändert. Chef ist Lars Ricken, ihm unterstellt sind erst Sebastian Kehl, der eigentlich Rickens Positiion wollte, sowie Kaderplaner Sven Mislintat. Das „Diamantenauge“ sieht sich reglemäßg zu mehr berufen als zur Talentsichtung. Es hat auch schon geknallt. Zwar ist gerade Frieden, aber dem traue ich angesichts der Beteiligten nicht über den Weg, zumindest nicht über eine ganze Saison. Dazu noch Alphatiere wie eben Watzke und auch Matthias Sammer – klingt nach explosiver Mischung.
Letztlich noch die Frage, wie sehr die Teamleader Hummels und Reus fehlen auf und neben dem Platz. Gerade Hummels hat in der CL überragende Partien en masse abgeliefert

Die ersten Spiele
1. Eintracht Frankfurt (H)
2. Werder Bremen (A)
3. 1. FC Heidenheim (H)
4. VfB Stuttgart (A)
Gerade die ersten zwei Partien werden schon viel Aufschluss geben. Die mit einem noch nicht eingespielten Team zu bestreiten – viel Vergnügen.

Fazit
Wie gesagt: Nominell ist der Kader (noch) besser geworden. Sahin hat auch viele Möglichkeiten, auf Verletzungen/Formdellen zu reagieren. Bei optimalen Verlauf sehe ich sogar ein Mitspielen um den Titel.

 

 

Neuers überfälliger Schritt

Jetzt ist es offiziell. Am Mittwoch hat Manuel Neuer bekanntgegeben, dass er nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft spielen wird. Die Reaktionen reichen von „Zeit wird es“ bis „was für ein großartiger, großmütiger Schritt des besten Torwarts aller Zeiten“. Der „Kicker“ tat sich besonders hervor. Die Lobhudelei grenzte an Seligsprechung zu Lebend-Zeiten (geht das überhaupt?), dabei verfasste nicht einmal Bayern-Fanboy Carlo Wild die Zeilen. https://www.kicker.de/neuer-beendet-mit-stil-und-groesse-eine-einmalige-aera-1045795/artikel

Mein Kommentar dazu

Für mich kommt der Schritt keine Sekunde zu früh.Schon die Tatsache, dass ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann zur unangefochteten Nummer 1 bei der EM machte, fand ich geradezu empörend und widersprach jedem Leistungsgedanken. Er hat dann ein ordentliches Turnier absolviert. Keine gravierenden Fehler, keine „Unhaltbaren“, die er entschärfte. Bei den Gegentoren eher schuldlos, in seinen besten Zeiten hätte er Dani Olmos Schuss zum 0:1 im Finale wohl gehalten.

Manuel Neuer ist in Deutschland sankrosankt, alle überbieten sich in Lobeshymnen über den besten Torwart aller Zeiten. Dass er ein toller Schlussmann war, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Ob er wirklich der beste aller Zeiten war, vermag ich nicht zu urteilen, denn die Jaschins, Zamoras habe ich gar nicht gesehen, und ich persönlich wage keine Rangliste allein in Deutschland zwischen Sepp Maier, Oliver Kahn und eben Neuer. Wohl dem, der sich da ein Urteil erlaubt.
Jedenfalls hat nicht nur meiner Meinung nach Neuer seine besten Tage schon länger hinter sich. Die würde ich in der Zeit zwischen 2010 und etwa 2017 sehen, als er wirklich grandiose Leistungen zu Hauf ablieferte und die Stürmer mit seiner mächtigen Erscheinung in Schockstarre versetzte. Aber auch hier: Erhöhung. Denken wir ans WM-Finale 2014, als er nach einem heftigen Check gegen Higuain eine Elfer plus Rot kassieren hätte müssen, aber von einem tomatenblinden Schiri profitierte. https://www.youtube.com/watch?v=vuLkOgVpT98

Jetzt also ohne Neuer. Wahrscheinlich ist dessen nicht ganz so freiwillig und großmütig. Ich glaube, dass Nagelsmann durchaus mit ihm weitergemacht hätte. Die EM gab kaum Anlass zu einer Änderung seiner Torwart-Rangliste. Aber er brauchte ein klares Bekenntnis, denn die leidige Torwartfrage wollte er auf jeden Fall vom Tisch haben. Und da passte es überhaupt nicht, dass Neuer allenfalls grundsätzliche Bereitschaft signalisierte, bis zur WM 2026 weiterzumachen, aber schon mal die nächsten beiden Länderspiele im September nicht bestreiten wollte. So wird es zumindest von bestens informierten Kreisen kolportiert. Unmittelbar nach der EM hatte Neuer ja schon öffentlich gesagt, er würde sioh „bis zu einem halben“ Jahr für seine Entscheidung Zeit geben. Das war unzumutbar für alle Beteiligten, gerade für Marc-André ter Stegen, die designierte Nummer 1 und für mich seit Jahren (viel?) besser als Neuer. Erstaunlich genug, dass er so lange stillhielt. Man denke nur Uli Stein und den „Suppenkasper“ Beckenbauer 1986 bei der WM. Eines war auch klar: Neuer wäre bei seinem fanatischem Ehrgeiz eine verdammt unzufriedene Nummer 2 hinter ter Stegen gewesen. Den Tort wollte sich Nagelsmann verständlicherweise nicht antun.

Wie gesagt: Neuer war ein toller Torwart. Er das hat Spiel neu interpretiert mit seiner offensiven Art, Bälle schon außerhalb des Strafraums mit dem Fuß abzufangen. Seine technischen Fähigkeiten waren die eines Feldspielers ebenbürtig. Jetzt kann er sich auf „seinen“ FC Bayern konzentrieren, sein Vertrag läuft 2025 aus. Das Champions-League-Finale findet am 31. Mai in der Münchner WM-Arena statt. Ein erneutes „Finale dahoam“ wäre ein würdiger und angemessener Abschied aus dem absoluten Spitzenfußball.

 

Der Fall Jannik Sinner stinkt zum Himmel

Jannik Sinner gedopt, aber nicht gesperrt und kaum bestraft. Dieser Fall schreckt den Tenniszirkus seit ein paar Tagen auf.

Anmerkung: Jannik Sinner ist derzeit mein Lieblingsspieler auf der Profi-Tour. Umso schwerer fallen mir die folgenden Zeilen, vor allem meine Bewertung.

Was ist passiert?

Die International Tennis Integrity Agendy gab am Dienstag bekannt, dass der Weltranglistenerste Jannik Sinner im März zweimal positiv auf das verbotene Mittel Costebol getestet wurde. Ein unabhängiges Gericht habe ihn jetzt freigesprochen, da kein Vorsatz und nicht einmal Fahrlässigkeit vorliege. Folkgende Begründung hat der Italiener vorgebracht, die letztlich als glaubwürdig eingestuft wurde. Sein Masseur habe ihn mit dem verbotenem Mittel kontaminiert. Der Masseur habe in Italien frei erhältliche Spray verwendet, um eine eigene Wunde, zu behandeln, die er sich zugezogen hat. Über dessen Hände sei das Mittel in Sinners Körper gelangt. Deshalb entsprach die ITIA den Einsprüchen von Sinner gegen eine vorläufige Sperre.
Der erste positive Befund stammt vom 10. März während des Turniers von Indian Wells, die zweite bei einer Trainingskontrolle 8 Tage später, ebenfalls noch in den USA, da das Turnier in Miami bevorstand. Während dieser Zeit habe besagter Masseur Sinner täglich behandelt. Jetzt habe eine unabhängige Schiedsstelle nach Anhörung de Beteiligten entschieden, dass kein Veschulden vorliegt. Dennoch werden Sinner den Statuten gemäß das Indian-Wells-Preisgeld (300.000 Dollar)  und die ATP-Punkte (400) aberkannt.

Ein paar Gedanken dazu

Ja, das kann so gewesen sein. Ist zwar sehr, sehr unwahrscheinlich, aber spätestens seit Douglas Adams‘ Reise durch die Galaxis wissen wir, dass auch extrem Unwahrscheinliches passieren kann. Wie auch die Ausrede des überführten Sprinters  Dennis Mitchell (zu viel Sex), de chinesischen SchwimmerInnen (kontaminierte Küche) oder die berühmteste Zahnpasta der Welt (Dieter Baumann). Aber selbst wenn sich alles so zugetragen haben sollte, bleiben ein übler Nachgeschmack und einige offene Fragen. Und ein paar böse Gedanken habe ich leider auch

1. Warum erfährt die Öffentlichkeit jetzt erst von diesem Fall? Und nicht, wie sonst bei Dopingfällen mittlerweile üblich, sofort nach Bekanntwerden, also im März. Der Tennisveband selbst hatte sicher kein Interesse, dass der damals absolut heißeste Spieler der Tour in schlechtes Licht gerückt worden wäre. Außerdem gilt natürlich auch im Fall Sinner die Unschuldsvermutung.

2. Aus dem, was  zumindest ich gelesen habe, wird nicht klar, wann man Sinner über die positiven Tests informiert hat. Besser gefragt: Wusste der Südtiroler zum Zeitpunkt der zweiten Probe von der positiven ersten Probe oder zumindest von einem Verdacht? Normalerweise brauchen die Tests nicht so lange.

3. Nehmen wir zu Sinners Gunsten an, er und sein Umfeld haben nichts gewusst. Wie lange hält sich das Mittel im Körper? Und können Hände so lange kontaminiert sein, obwohl gerade ein Masseur sie regelmäßig desinfiziert. Oder hat der  seine Salbe wieder und wieder aufgetragen und das, obwohl zumindest er auf jeden Fall wissen musste, was für ein Zeug er da zu sich nimmt? Da passt meiner Meinung nach einiges überhaupt nicht zusammen.
Update: Sinner erfuhr am 10. April, also erst nach der 2. Probe, von der positiven ersten Probe. Und sein Masseur hat die Salbe seinen Darstellungen nach wiederholt auf seine verletzte Hand aufgetragen. Allerdings ist auf dieser ein Warnhinweis, dass es für Leistungssportler verbotene Substanzen erhält.

4. Und damit zu meinen sehr unschönen Gedanken: Sinner war ein Riesentalent und vieles mehr. Aber seit Herbst 2023 hat er einen unglaublichen Leistungssprung gemacht. Turniersieg in Wien, Triumph bei ATP-Final im November. Im Januar Sieg bei den Australian Open und weitere Turnier-Erfolge. Bis Indian Wells war er im Jahr 2024 unbesiegt. Vor allem sein Aufschlag hat sich klar vebessert, ist schneller geworden.
Der Tennissport ist anders als mittlerweile der Radsport für seine Intransparenz bekannt. Ob und in welchem  unangekündigte Kontrollen wirklich stattfinden, wissen wir nicht. Die Profis selbst sind bei diesem Thema extrem schmallippig. Und dass beim Tennis Doping hilft, ist hoffentlich unstrittig. Ein Ballgenie wird man dadurch nicht plötzlich. Aber auf Kraft kommt es an und vor allem auf totale Fitness und dabei gerade gute Regeneration. Und genau dafür reichen offenbar auch geringe Mengen von Colestol, die auf die Haut aufgetragen werden.
Andere Verdachtsfälle im Tennis gibt es genug. Ich denke etwa an gerade Thomas Muster 1995 beim Turnier in Monte Carlo. Mit Hängen und Würgen gewann er damals ein Halbfinale gegen Andrea Gaudenzi und sah dabei am Ende wie ein wandelnder Leichnam aus. Nicht mal 24 Stunden rannte er Muster-typisch quickebendig über den Platz und siegte gegen Boris Becker. Dessen Umfeld sprach unverhohlen von Doping, dem wurde nicht nachgegangen. Unvergessen auch der Spruch  der Williams-Schwestern, sie dächten nicht daran, morgens bei unangekündigten Kontrollen in einen Becher zu pinkeln.
Oder denken wir aktuell an Novak Djokovic. In Paris sagt er sein Viertelfinale ab, lässt sich am Knie operieren, und nur gut drei Wochen später spielt er in Wimbledon, erreicht das Finale und ist danach bei Olympia so gut wie lange nicht mehr. Überschwänglich dankte er seinen Ärzten. Wirklich nur deren legale Kunst? Und über Rafael Nadal und seine Fitspritzerei mit schwersten Schmerzmitteln will ich erst gar nicht anfangen.
Gerade die besten Tennisspieler können sich die besten und teuersten Ärzte leisten, sie beschäftigen einen ganzen Stab der besten Spezialisten. Die loten im Zweifel die Grenzen legaler/illegaler Behandlung akribisch – und gerade das macht mich im Fall Sinner so stutzig.
5. Letztlich noch die Strafzumessung: Die ist ein Witz. Wenn das nächste Umfeld mindestens grob fahrlässig  against the rules handelt, muss sich das der Sportler zurechnen lassen. In genug Fällen wurde auch so entschieden. Glashaus Tennis: Bisher haben nur 2 Profis, Nick Kyrgios und Denis Shapovalov Kritik geäußert.
6. Noch ein letztes, das mich stört: Wo ist der öffentliche Aufschrei der sogenannten Doping-Verfolger. Wo meckert also ARD-Mann Hajo Seppelt. Auch in der von mir so geschätzten Süddeutschen ist bisher nur eine Agenturmeldung zum Vorfall zu entdecken. Keine eigene Recherche der Kistners und Co, keine eigene Einordnung des Geschehens. Das sind aber dieselben, die die Leistungen der Radsportler per se anzweifeln auch ohne positiven Befund. Wofür sie natürlich auch gute Gründe haben.
Update: Jetzt gibt es einen eigenen Bericht der SZ von Tennis-Journalistin Barbara Klimke.
Und Hajo Seppelt hat sich auch geäußert. Braucht halt seine Zeit. https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3Nwb3J0c2NoYXUuZGUvc3BvcnRzY2hhdS1mZm1wZWctdmlkZW8tOGIzZGYxZGItZTgzMC00YjA3LWJhY2MtZGU4ZTgxYmY1YmQz

Conclusio: Der Fall Sinner (Sünder) stinkt zum Himmel. Die Wada will sich das Ganze mal anschauen. Bin echt in der Zwickmühle, ob ich für meinen Lieblingsspieler eine Sperre gutheißen will.

Was vom Tage übrigbleibt

Triumphe für Sabalenka und Sinner

Zwei Tennis-Endspiele, zwei Favoritensiege, zwei US-Niederlagen. Das war der ereignisreiche, allerdings nicht allzu spannende Tennis-Montag in Cincinatti. Zunächst gewann die Weißrussin Aryna Sabalenka bei ihrem Comeback nach mehr als einem Monat Verletzungspause klar und deutlich gegen die reichlich chancenlose Jessica Pegula. In dieser Form gehört sie klar zu den Favoritinnen für die US Open ab kommenden Montag.
Das gleiche gilt auch für Jannik Sinner, der sich ebenfalls in zwei Sätzen mit 7:, 6:2 gegen Francis Tiafoe durchsetzte. Es war der bereits fünfte Turniererfolg des Jahres für den Italiener, der nach seiner Mandeloperation sich mehr und mehr zu seiner Top-Form von Beginn des Jahres annähert. Ganz hat er sie aber mE noch nicht erreicht.
Tiafoe hat ein ziemlich grauenhaftes Jahr hinter sich. Seine Matchbilanz vor Cinci lautete 19:18, eigentlich indiskutabel für so einen begnadeten Spieler.. Die Finalteilnahme ist sein mit Abstand bestes Abschneiden bei einem Masters oder Grand-Slam-Turnier.. Den ersten Satz hätte er durchaus auch gewinnen können, gerade sein Aufschlag war eine echte Waffe. Mal sehen, was die Auslosung bei den Open so für ihn bereitstellt; er ist so um die Nr. 20 gesetzt.

Und sonst

  • Wout van Aert beflügelt: Im Roten Trikot des Führenden der Vuelta gewann er am Montag die 3. Etappe im Sprint. Heute geht es erstmals in die Berge.
  • Pokal weiter ohne Überraschungen: Am MOntag gaben sich die Bundesligisten Werder Bremen (3:1 beim FC Energie), VfL Wolfsburg (1:0 bei TuS Koblenz) und Eintracht Frankfurt (4:1 bei Eintracht Braunschweig) keine Blöße. Zweitlgist 1. FC Magdeburg scheiterte alledings beim Viertligisten Kickers Offenbach. Manchmal hat der Biberer Beg noch seine Magie.
  • Stanisic verletzt: Der Neuzugang des FC Bayern zog sich im Training einen Außenbandriss zu und fällt mindestens einen Monat aus. Mal sehen, ob auf dessen rechten Seite Joshua Kimmich wieder die Lücke schließen soll/darf/muss. Dann könnten Alexander Pavovic und Neuzugang Palinha das defensive Mittelfeld bilden.

Zu guter Letzt:
Erwächst Mondo Duplantis etwa nationale Konkurrenz? Ingemar Stenmark, einer der größten schwedischen Sportler überhaupt, hat sich auf das schwierige Terrain begeben. Immerhin schaffte die 68-jährige Skilegende mit dem Stab eine Höhe 3,00 Metern, es fehlen also nur noch 3,25 Meter auf den Weltrekord von Duplantis. Was für ein grandioses Bewegungstalent ist dieser Stenmark, der einst seine Balance als Seittänzer perfektionierte. Gelernt ist halt gelernt.