Ski-Gott Odermatt, deutsches Handball-Glück und Absurdes vom Afrika-Cup

 

 

Brignones wundersames Comeback

 

Es war die Story des Riesenslaloms von Kronplatz, der am heutigen Dienstag ausgetragen wurde. Italiens Ski-Heroin Federica Brignone war nicht ur erstmals seit ihrem Schien- und Wadenbeinbruch im April wieder am Start, sie überzeugte auch durch zwei mehr als ansprechende Fahrten und wurde am steilsten hand der Saison (Neigung zum Teil 65 Prozent) erstaunliche Sechste, fuhr also als beste Italienein sofort wieder mitten in die Weltelite und landete unter anderem vor den Spezialistinnen Paula Moltzan und Valerie Grenier.
Nur mit dem Sieg und auch mit dem Podest hatte sie nichts zu zun. Den sicherte sich erneut Julia Scheib, mit der Österreich in seiner lange schwächsten Disziplin plötzlich eine absolute Siegläuferin hat und Gold-Favoritin fürs Rennen bei Olympia. Scheib raste von Rang 3 kommend noch an Camille rast und Sara hector vorbei und sicherte sich ihren vierten Saisonsieg.

 

Odi, Herrscher am Lauberhorn

 

Wenn es denn eine Abfahrt gibt, die Marco Odermatt auf dem Leib geschneidert ist, dann ist es Lauberhorn in Wengen. Obwohl wegen des Windes stark verkürzt (Start direkt am Hundsschopf), war der Schweizer eine Klasse für sich und triumphierte mit 79 Hunderststelsekunden Vorsprung auf Vincent Kriechmayr und den erstaunlichen Italiener Giovanni Franzoni.
Odermatt triumphierte im Schatten der Bergriesen Eiger, Jungfrau und Mönche zum vierten Mal in Folge und löste Landsmann Beat Feuz als Rekordmann ab. „Ich hab fast ein schlechtes gewissen“, bekannte er im SRF. Schon vor einer Woche hatte er in Adelboden eine Rekordmarke eier Skilegende eingestellt, als er zum fünften Mal den Riesenslalom an diesem traiditonshang für sich entschied. Da Odi noch einige Jahre Skifahren vor sich hat, dürfte er auch hier bald ganz allein ganz oben in der Liste der Sieger stehen.

Wenn ich schreibe, „erstaunlicher Franzoni“, bezieht sich das auf den Super-G. Tags zuvor hatte der Italiener in dieser Disziplin für mich reichlich überraschend gesiegt (trotz guter Trainingsergebnisse). Das Rennen war fast 15 Sekunden länger und mit allen Schweirigkeiten der Strecke gespickt, und Franzoni düpierte mit einer Glanzfahrt die Konkurrenz. Zweiter wurde Stefan Babinsky mit seinem besten Karriere-Ergebnis im Weltcup for Franjo van Allmen, der sich vor Odermatt den letzten Podestplatz sicherte.

Im Slalom dominierte ganz klar die norwegische Schiene: Atle McGrath triumphierte vor seinem besten Freund Lucas Braathen (für Brasilien startend) und Henrik Kristoffersen. Wie herzlich Braathen seinem Kumple gratulierte, so sieht Fairness aus. Best of the Rest wurde der Schweizer Weltmeister Loic Meillard, Linus Strasser klassierte sich als einziger Deutscher in den Weltcuprängen und wurde letztlich Elfter, mit 2,65 Sekunden Rückstand auf den Sieger (ohne eklatanten Fehler, die muss er bis zum Olympiarennen in einem Monat finden).

 

Aichers Triumphfahrt

 

Sie kann alles (außer Riesenslalom), das wissen alle. Am Sonntag brachte Emma Aicher im Super-G endlich mal wieder eine fast fehlerfreie Fahrt ins Ziel, und siehe da, die grüne „1“ leuchtete auf, und dies sollte an diesem strahlenden Wintertag keiner anderen Läuferin mehr gelingen. Es ist der zweite Saisonsieg der vielseitigen Deutschen mit schwedischen Wurzeln nach dem Abfahrtssieg Mitte Dezember in St. Moritz. Im Gesamtweltcup katapultierte sie sich auf Platz 3, allerdings mit Respektabstand zur Führenden Mikaela Shiffrin. Die hat zwar beschlossen, dass sie keine Abfahrten (und voererst auch keine Super-Gs) mehr fährt, dafür gewinnt sie (fast) jeden Slalom. Wie am vergangenen Dienstag den Nachtslalom von Flachau, als sie vor Landsfrau Paula Moltzan und der Österreicherin Katharina Truppe triumphierte, zum 7. Mal im 8. Saisonrennen.

 

Handballer plötzlich mit weißer Weste

 

Die beste Nachricht ereilte die deutschen Handballer schon vorm abschließenden Vorrundenspiel gegen Spanien. Da nämlich hatten die Österreicher Serbien bezwungen, und damit stand fest, dass die Mannschaft um die überragenden Torhüter Wolff und Späth auch mit einem knappen Sieg die Hauptrunde erreichen würde  und dies sogar ohne Punktverlust, weil aufgrund der EM-Arithmetik die Niederlage zuvor gegen Serbien aus den Ergebnissen fallen würde.
Die Partie gegen Spanien war dann die erwartet zähe Angelegenheit. Das deutsche Team lag zwar fast die gesamte zeit in Führung, aber nie mit mehr als drei Toren, was im Handball wahrlich kein geruhsames Polster ist. Doch in den entscheidenden Phasen konnten sich die Deutschen auf ihren Schlussmann verlassen (im Gegensatz zu den Iberern auf ihren Mann zwischen den Pfosten). Diesmal war es vor allem der junge David Späth, der mit ein paar Glanzparaden den spaniern den Zahn zog. Am Ende stand es 34:32, das reichte zum Gruppensieg.

In der Hauptrunde ab Donnerstag warten jetzt allerdings mit Dänemark, Frankreich, Norwegen und Portugal durchweg höher einzuschätzende Kontrahenten. Eine gewaltige Steigerung muss also her, soll das Ziel „Halbfinale“ Wirklichkeit werden, dafür wäre nämlich ein Platz unter den ersten zwei notwendig.

 

Skandal beim Afrika-Cup

 

Schon vor dem Finale beim Afrika-Cup zwischen Gastgeber Marokko und Senegal ging es hoch her. hier die Mahgreb-Staaten, dort Zentralfrika – mit gegenseitigen Vorwürfen. Einer lautete: Der afrikanische Verband würde alles tun, dass die Marokkaner auch den Titel holen würden.

Zunächst blieb im Finale am Sonntag in Rabat alles im Rahmen, bis sich in der Nachspielzeit der kongolesische Schiedsrichter zu einem der Hauptdarsteller aufschwang. Zunächst verweigerte er aus eher fadenscheinigen Gründen einen Treffer Senegals, und sein verfrühter Foulpfiff machte auch eine Video-Überprüfung unmöglich. Minuten später entschied er nach einem Zupferchen an Real-Star Brahim Diaz nach minutenlanger VAR-Konsultierung auf Strafstoß, mindestens umstritten, für mich indiskutabel. Die Situation eskalierte. Wutentbrannt verließen mehrere Senegalesen das Feld, angestiftet von ihrem Trainer. Ein Spielabbruch drohte – mit ungeahnten Konsequenzen für alle Beteiligten.

In solchen Fällen ist es notwendig, dass zumindest einige Akteure kühlen Kopf behalten. Hier war es Sadio Mané, der senegalesische Kapitän. Er blieb nicht nur auf dem Feld, sondern signalisierte zunehmend vehement, dass bitte auch seine Mitspieler die Wut runterschlucken sollten und die Partie würdig beenden sollten. Manes* Wort ist in Senegal Gesetz (seitdem er das Land vor 4 jahren als Kapitän zum Afrika-Sieger führte), und tatsächlich bequemten sich die Spieler zurück aufs Feld.

Dort begann das nächste Drama, der Elfmeter. Der marokkanische Superstar Diaz sollte es richten, Torschützenkönig des Turniers und einer der besten Spieler. Diaz lief also an im mittlerweile strömenden Regen zu Rabat, und er entschied sich zu einem „Panenka“. Jener unfassbar frechen Variante also, in dem der Ball nur in die Mitte geschlenzt wird ohne Tempo, in der Hoffnung der Torwart werde schon in eine Ecke fliegen. Der Tscheche Antonin Panenka wurde so berühmt 1976 in Belgrad im EM-Endspiel gegen Deutschlands Sepp Maier im Elfmeterschießen, nicht so aber Diaz. Senegals Schlussmann Fernando Mendy nämlich hatte den Braten gerochen, bleib stehen und hatte nicht die geringste Mühe, den Ball abzufangen.

„Alles abgesprochen“, hieß es später in den aszialen Netzen verdrossen, und das war tatsächlich auch mein erster Gedanke. Bis ich in die verzweifelten Augen von Diaz schaute. Verzweiflung darüber, dass er nicht Marokko zum ersten Afrika-Triumph sein 1975 (1975!) geschossen hatte. Wenn das geschauspielert war, dann herzliche Gratulation zum nächsten Oscar!

Also Verlängerung: Es kam fast, wie es kommen musste. Mit einem Gewaltschuss in den Winkel bezwang Senegals Pape Gueye Marokkos vorzüglichen Schlussmann Bono, und dieses eine Tor sollte reichen. Afrika-Triumph für Senegal, der zweite nach 2022.

Immerhin durfte sich Marokko über den Fairnesspreis freuen, und diese Auszeichnung ist mindestens so absurd wie der FIFA-Friedenspokal für Donald Trump. Mit Fairness hatte es nämlich wenig bis nichts zu tun, wie sich Marokko übers (gut organisierte) Turnier gerierte. Den Vogel schossen am Finaltag die Balljungen ab, die mit Unterstützung von Ersatzspielern immer wieder versuchten, das Handtuch von Senegals Torhüter Mendy zu stehlen, damit dieser sich nicht die regennassen Handschuhe abtrocknen konnte. Es ging so weit, das Senegal seinerseit den Ersatztorwart abstellte, der danach nichts anderes zu tun hatte, als die fortwährenden Angriffe auf Mendys Eigentum abzuwehren. Famos bewältigte er diese Aufgabe.
Das mag afrikanisch-folkoristisch klingen (wie wir diesen Afrika-Cup lieben gelernt haben), ist aber schlicht bodenlos und ein katastrophales Zeichen im Hinblick auf die WM 2030, die ja in Marokko, Spanien und Portugal stattfinden wird. Auf keinen Fall daaarf eine derartige Unverfrotenheit mit einem Fairnesspreis bedacht werden, wenn da nicht mein Freund Gianni Infantino seine widerwärtigen Schleimpfoten im Spiel hatte.