Das erste Grand-Slam-Turnier ist eröffnet. Seit Sonntag laufen die Australian Open und meine hoffnungsvollen Gedanken zu Alexander Zverev, naja, sind nicht Makulatur. Der Hamburge hat das knifflige Auftaktlos gegen den aufschlagstarken Kanadier Gabriel Diallo nach verlorenem ersten Satz recht sicher in vier Durchgängen für sich entschieden.
Ob es sich für ihn allerdings mit dem erhofften ersten Major-Triumph ausgeht, ist nach Lage der Dinge doch eher zu bezweifeln. Maß aller Dinge sind die „Unbesiegbaren Zwei“, also Jannik Sinner und Carlos Alcaraz. In den vergangenen 2 Jahren haben sie die Grand-Slam-Titel unter sich aufgeteilt, zuletzt standen sie sich in drei Finali gegenüber(Paris/Alcáraz, Wimbledon/Sinner und NewYork/Alcáraz.
Der Vorsprung zum Rest erscheint sehr groß, wobei ich zumindest hinter dem Spanier zumindest winzige Fragezeichen setze. Zum einen ist er in Melbourne nie so recht klargekommen, Viertelfinali waren das höchste der Gefühle wie 2025, als er an Novak Djokovic scheiterte. Zum anderen bleibt abzuwarten, wie er die von ihm focierte trennung zu seinem Trainer Juan Carlos Ferrero verkraftet, der ihn in den vergangenen sieben Jahren zu seiner aufsehenerregenden Karriere verhalf.
Sinner ist nicht nur für mich der mehr oder weniger klare Turnierfavorit. Zuletzt siegte er zweimal Down under, vor allem 2025 geradezu ungefährdet wie im einseitigen Finale gegen Zverev. Nichts deutet darauf hin, dass er seit seinem Masters-Triumph in Turin an Form verloren hätte.
Best of the rest
Als Erstes nenne ich Novak Djokovic. 38 Jahre zählt der Serbe mittlerweile und doch muss ihn jder bei jedem Grand Slam auf dem Zettel haben. 2025 erreichte er bei allen vier Turnieren das Halbfinale, scheiterte allerdings viermal. Mittleweile fokussiert er sich nahezu ausschließlich auf die Grand Slams, der 25. Triumph (und der alleinige Einzelrekord) ist noch ein Ziel des Unersättlichen. Doch ob sein Körper mitspielt und 7 Best-of-5-Matches verträgt. Zweifel seinen erlaubt.
Alexander Zverev, der Weltranglistendritte, wäre der natürliche Top-Herausforderer. Vergangenes Jahr kam er in Melbourne tatsächlich ins Finale, da Tunier legt ihm also. Doch das restliche Jahr verlief alles andere als oin seinem Sinn: nur ein Turniersieg (in München), viele unnötige Niederlagen wie das Erstrundenaus gegen Rinderknech in Wimbledon. Der erste Auftritt war jetzt wacklig, doch das muss nicht unbedingt etwas heißen.
Dran sind eigentlich die US-Amerikaner. Taylor Fritz etwa spielt beeindruckendes Tennis, aber zum ganz großen Wurf fehlt immer etwas (zumindest im Vergleich zu „Sincaraz“). Noch begabter erscheint mit Ben Shelton, aber der ist sehr unkonstant, trotz seines grandiosen Aufschlags.
Persönlich bin ich aufs Auftreten des Tennis-Genie Alexander Bublik sehr gespannt, der im vergangenen Jahr pltzlich die Ernsthaftigkeit seines Sportes erkannt hat und gleich 4 Turniere gewann. Lokalmatador ist Alex De Minaur, dem nimmemüden Australier fehlt allerdings ein echter Gewinnschlag, Laufstärke allein reicht dann halt doch nicht, oder?
Rührselig wird es bei den Auftritten von Stan Wawrinka. De Schweizer triumphierte 2014 in Melbourne, jetzt hat er sein letztes Jahr auf der Profitour angekündigt. Jede Partie von ihm dürfte ein Ereignis werden. Taschentücher bereithalten für den Mann mit der schönsten (einhändigen) Rückhand. Ähnliches gilt für Gael Monfils.
Ich tippte Gauff
Leichtsinnig Dämlich wie ich bin, habe ich mich an einem Wettspiel für die AO beteiligt und schon das ganze Turnier durchgetippt. So leicht es mir fiel bei den Männern Sinner (als Alternative Alcáraz), so schwer war bei den Frauen. Am Ende stand zu meinem eigenem Erstaunen Coco Gauff auf dem Siegerzettel, doch bei näherem Nachdenken könnten dort auch ein halbes Dutzend anderer Frauen augetaucht sein. Für Gauff spricht, dass sie Grand-Slam-Turniere „kann“, bisher 2 Siege, zuletzt 2025 in Paris. Die Amerikanerin hat ein aggessives Spiel und keine echte Schwäche (wenn sie ihren Aufschlag im Griff hat).
Die Konkurrenz ist riesig, beginnt natürlich bei der Weltranglistenersten Aryna Sabaenka (US Open 2025), geht über Iga Swiatek (Wimbledon 2025) zu Amanda Anisimova (jeweils die Finalistin). Oder wiederholt gar Titelverteidigerin Madison Keys ihr Husarenstück (da allerdings habe ich ernsthafte Zweifel)? Sehr stark schätze ich Lena Rybakina ein. Die Schweizerin Belinda Bencic hat gerade bei der Mixed-WM einen derart vorzüglichen Eindruck hinterlassen, dass sie mehr als eine Geheimfavoritin ist.
Die Frauen-Konkurrenz ist auch deshalb tricky, weil es wie bei ganz normalen Turnieren über 2 Gewinnsätze geht. Ein schlechter Tag kann also schlechter kaschiert und ausgebügelt werden. Gefährliche Außenseiterinnen wie Karolina Muchova, Jessica Pegula und Mirra Andreewa warten nur auf ihre Chance.
Deutsche hoffen von Runde zu Runde
Im vergangenen Jahr wurde Lucky Lys geboren, natürlich nur im übertragenem Sinn. In der Qualifikationeigentlich gescheitert, rückte sie als sog. Lucky Loser ins Hauptfeld nach, gewann auch dank glücklicher Auslosung 3 Runden und scheiterte dann chancenlos an Iga Swiatek. Viele Weltranglisten, die es jetzt zu verteidigen gilt, aber die Auslosung meint es erneut nicht schlecht mit ihr mit dem Auftakt Sorana Cirstea und danach der zurzeit recht erratischen Naomi Osaka (wenn die japanerin allerdings den Ball trifft, dprfte es aussichtslos werden).
Auch bei Laura Siegemund und der nimmermüden Mama Tatjana Maria (sie kanns wahrscheinlich selbst nicht mehr hören) wäre jeder Rundengewinn ein Erfolg, mehr als das Achtelfinale erscheint allerdings utopisch.
Dsa gilt auch für die beiden Männer neben Zverev, Jan-Lennard Struff und Yannik Hanfmann. Letzterer gewann in der 1. Runde gegen Svajda, jetzt bekommt er es allerdings mit Alcáraz zu tun. Struff trifft zunächst auf Kopriva, danach wäre Taylor Fritz eine wohl unüberwindliche Hürde.
Wenn ich mir allerdings meine Tipps so anschaue: Es kommt sowieso anders, als ich denke. Vergnüglich wirds allemal!
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