von Münchner Löwe | Juli 7, 2026 | Fußball, WM
Das präsidiale Eingreifen ging also komplett nach hinten los. Ein furchtbares US-Team mit dem von Trump und Infantino begnadigten Balogun (offiziell war es eine unabhängige FIFA-Kommission, wers glaubt) hatte gegen wie aufgeputscht wirkende Belgier nicht den Hauch einer Chance und verabschiedete sich mit einem 1:4 als letzter der drei nordamerikanischen WM-Gastgeber aus dem Turnier.
Während Belgien hochkonzentriert und wegen des absurden Eingriffs von ganz oben in jede Sportgerechtigkeit besonders motiviert wirkte, schienen die bisher so lebhaften US-Boys wie gelähmt. Noch nicht mal ein geschenkter Freistoß des ansonsten vorzüglichen Schiedsrichters zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich half. Quasi im Gegenzug schafften die Belgier wieder die Führung, die sie in der 2. Halbzeit zunächst sicher verwalteten, dann nach 2 haarsträubenden US-Abwehrfehlern auf 4:1 ausbauten.
Balogun, um dessen skandalöse Spielberechtigung (trotz Roter Karte und damit zwingender Sperre für mindestens ein Spiel) war ein Schatten seiner selbst, dem praktisch nichts gelang. Er hatte ja dem Vernehmen nach selbst nicht mehr mit seiner Spielberechtigung gerechnet. Dass er jetzt doch auflaufen durfte (gar MUSSTE per präsdialem Dekret?), schien ihn und die gesamte Mannschaft weitaus mehr zu verunsichern als den Gegner.
Alle Sympathien verloren
Was Trump nachhaltig geschafft hat (und vielleicht war das tatsächlich seine Intention): aufkommende Sympathie zu zerstören mit den US-Spielern, die diese mit ihren munteren und fairen Auftritten (trotz der Roten Karte) zuvor gewonnen hatten.
Ich muss es ja klar sagen: Die WM ist trotz allen Unbills (Politik, Kartenpreise etc) ein Erfolg. Die mitgereisten Fans aus Europa und der Welt sind begeistert von den freundlichen Gastgebern, und die Amerikaner sind begeistert von den so toll und meist friedlich feiernden Fans (Boston wollte die Schotten dem Vernehmen nach gar nicht mehr aus der Stadt lassen, die New Yorker nicht die Ruder-Norweger). Überall Verbrüderung.
Trump war ja bis dato bei der WM unsichtbar, er hatte noch nicht mal das Turnier als „seinen“ Erfolg reklamiert. Umso entsetzlicher die jetzige Zerstörung, die all die Freude fast zur Makulatur werden ließ. „Fast“, weil das US-Team ausschied.
Ich könnte mir also gut vorstellen, dass ich nicht der einzige bin, der trotz der Irrsinns-Politik zumindest Grundsympathie mit den USA (nur im Fußball!) entwickelt hatte, der allerdings angesichts der Umstände allerdings komplett ins belgische Lager geschwenkt ist. Zyniker sagen ja: So viel Zuneigung auch von neutralen Anhängern hat noch nie ein belgisches Team erfahren. Nicht nur aus Europa übrigens, sondern weltweit. Auch vielen US-Anhängern wird dieses unfassbare Einmischen peinlich gewesen sein. Sie legen ja im Sport noch viel mehr Wert darauf, dass Regeln eingehalten werden. Die der disruptive Trump dagegen immer bricht, in der Politik wie im Golf.
Der Fall muss heiß bleiben!
Will heißen: Mit dem Ausscheiden trotz unzulässigem Eingreifens hat sich die Sache nicht erledigt, wie vielleicht die FIFA hofft. Die europäischen Verbände müssen dran bleiben und das skandalöse Verhalten gerade des FIFA-Präsidenten beleuchten (Trump scheint dann doch außer Reichweite der Sportfunktionäre zu sein …). Gianni Infantino behauptet in einer nachgereichten Stellungnahme allen Ernstes, dass eine unabhängige Kommission entschieden habe, aufgrund besonderer Umstände die Sperre auszusetzen (welche Umstände das waren, wurde nicht gesagt). Mit dieser Erklärung darf sich niemand zufriedengeben.
Wenn sogar der ansonsten Infantino-hörige DFB-Chef Bernd Neuendorf um „Aufklärung“ bittet und „Rote Linien überschritten sind“, muss auch entsprechend gehandelt/nachgeforscht werden. Dass Infantino und sein FIFA-Machtzirkel allerdings ernsthaft in Gefahr geraten, wie hier und da suggeriert wird, bezweifle ich allerdings stark. Dazu ist seine Basis zu stark, sind seine Handlanger zu mächtig
Collinas erbärmliche Rolle
Vorweg: Ich liebe Pierluigi Collina, aber nur den fantastischen Schiedsrichter der Nuller-Jahre mit der markanten Glatze. Die trägt er immer noch (gestern in der Stadion-Box im Seattle-Stadion war eine erschütternde Ähnlichkeit mit dem ebenfalls barhäuptigen Infantino erkennbar), aber als Chef der Schiedsrichter-Kommission macht er seit Jahren eine entsetzliche Figur. Mit seltsamen SR-(Nicht)-Ansetzungen und noch seltsameren Erklärungen, warum diese oder jene haarsträubende Entscheidung doch richtig gewesen sei. Wie bei dem Tor der Deutschen gegen Paraguay (es scheint Lichtjahre her), als plötzlich eine strafbare Torwartbehinderung herhalten musste, die ansonsten wirklich niemand sah (Ähnliches bei der Partie Spanien vs Österreich).
Jetzt bisher kein Wort zu den Balogun-Vorkommnissen; auch nicht zum Skandal-Schiedsrichter aus Usbekistan bei der Partie Frankreich gegen Usbekistan, der offensichtlich die Anweisung hatte, die starken Franzosen zu eliminieren – anders ist diese (Nicht)-Pfeiferei schlicht nicht zu erklären. Nein, der sonst so wortgewaltige Italiener schweigt beredter als jede Mafia-Omertà.
Die Sperren-Regel selbst
Ein Gutes bringt dieser entsetzliche Vorgang, hoffe ich. Es wird vielleicht ernsthaft über die zwingende Sperre nach einer Roten Karte nachgedacht. Die ja weltweit gilt, in jeder Liga. Den einzelnen Verbänden ist es verboten, davon abzurücken: Abweichlern drohen drakonische Strafen (bis hin zum Ausschluss von FIFA-Wettbewerben). Egal wie ungerecht der Platzverweis gewesen ist, 1 Spiel Sperre war bisher absolut das Minimum und obligatorisch (einzige Ausnahme, aber auch nur vielleicht: Spielerverwechslung). Dass dieser Absolutismus jetzt aufgeweicht wurde, und seien die Umstände noch so skandalös, wäre doch ein Signal zum Nachdenken!
Die Gelegenheit dazu ergibt sich sehr früh. Im Achtelfinale England gegen Mexiko (3:2) sah Jarell Quansah die Rote Karte. Das Vergehen des Engländers war ganz ähnlich wie das von Balogun. Wie beim Amerikaner wurde auch hier erst nach Konsultation der Fernsehbilder überhaupt auf Foul erkannt, das zudem Rot-würdig gewesen sein soll. Wenn die FIFA-Kommission es ernst meint mit den „besonderen Umständen“: Hier liegen sie dann ebenfalls vor, und die Engländer haben Protest eingelegt. Das Blöde: Nicht durch King Charles, sondern den Regeln entsprechend nur durch den Verband, immerhin ist dort Prinz William Schirmherr.
von Münchner Löwe | Dez. 6, 2025 | Fußball, sportpolitik, WM
Es war ja einiges Schreckliches zu erwarten am Freitag für die Auslosungs-Zeremonie in Washington. Doch was vor allem Gianni Infantino, der Chef des Fußball-Weltverbandes, veranstaltete, ging weit über die schlimmsten Befürchtungen hinaus. Zusammenfassen lässt sich die Veranstaltung mit fogenden Worten: 2 alte, durch und durch korrupte, weiße Männer vergewaltigen den Fußball, und keiner tut etwas dagegen
Gott sei Dank war ich mit meiner wunderbaren Schwester bei einem hervorragenden Vietnamesen verabredet, so dass ich gar nicht in Versuchung geriet, mir diese Katastrophe und Niedergang aller guten Sitten live anzusehen. Als ich heimkam, überflog ich die Kommentare, die ließen schon Grauenhaftes erwarten. Da ich plante, hier ein paar Zeilen zu schreiben, „musste“ ich mir natürlich selbst ein Bild machen. Ich neige nämlich nicht zu Katastrophen-Tourismus, mein Dasein als Löwen-Fan mit all den damit verbundenen Irrungen und Wirrungen reicht da völlig aus.
Die Schleimspur des Gianni I.
Im Mittelpunkt des Grauens: Gianni Infantino und Donald Trump. 2 alte Männer. Der eine (Gianni, oder Jonny, wie ihn Donnie zu nennen pflegt). Ein skrupelloser, geldgieriger Funktionär mit mehr Dreck am Stecken als die Kläranlage einer Großstadt an einem Tag hergibt, weswegen er mittlerweile in ihm wohlgesonnenen Doha (oder ist es das wohlgesonnene Dubai?) sein Domizil aufschlägt. Der andere (Donald): Dem Rang nach Präsident der Vereinigten Staaten, aber tatsächlich: Topterrorist und Massenmörder. Und was macht Gianni? Erfand kurzfristig einen FIFA-Friedenspreis, den natürlich Donnie als Erster erhalten sollte, wenn es schon mit dem Friedensnobelpreis nicht geklappt hat (Donald Trump: ist mir nicht mehr so wichtig). Die Lobrede, die danach Gianni auf seinen guten Buddy Donnie hielt, war das Widerwärtigste, Schleimigste, Unanständigste, Armseligste, was je ein Sportfunktionär von sich gegeben hat. Und diesbezüglich ist die Messlatte angesichts der ganzen Widerwärtigkeiten der Samaranchess und Blatters und Bachs (das sind nur die Allerallerschlimmsten) selbst und auch von Infantino selbst (etwa in Katarrh vor 4 Jahre) so hoch wie der Mount Everest. Die Gianni mühelos übersprang („Du bist es, der Frieden schafft“) wie Mondo Duplantis mit dem Stab die 5 Meter. Die Lobhudelei galt wohlgemerkt einem Mann, der gerade den Befehl ausgibt, Schiffe vor Venezuela zu versenken und die Besatzung zu ermorden, der Somalia und die migrierten Somalis als „Müll“ bezeichnet, der unmittelbar vor der Zeremonie den Befehl ausgab, das liberale Europa zu zerstören. Für die Veranstaltung selbst, die nächsten Sommer stattfinden wird, prophezeite Infantino in aller BVescheidnheit: „Das wird das größte Ereignis, das die Menschheit je geschaffen hat.“ 104 Fußballspiele (satte 40 mehr als bei der letzten WM) stehen auf dem Programm. „Dass ist 104-mal der Super Bowl.“ Apropos Superball: Im Fußball-Überschwang will Trump American Football unbennen, damit „Soccer“ endlich „auch in den USA Soccer endlich Football heißen kann.
Das mit Fußball-Funktionären (und -Trainern, -Direktoren) aus aller Welt durchsetzte Auditorium in Washington brach angesichts dieses Irrsinns zwar nicht in Jubel aus, Protest hörte ich allerdings auch nicht – im Gegeteil. Hinterher befand DFB-Chef Bernd Neuendorf, dass diese Auszeichnung doch verdient sei angesichts der Trumpschen Verdienste um den Frieden in Gaza (ein Frieden, bei dem immer noch täglich Dutzende Menschen den Gewalt-Tod finden, nota bene) und ließ den Diktatfrieden in der Ukraine ebenso aus wie das Vernichten von Menschenleben in der Karibik sowie den nationalen Irrsinn, den Trump jeden Tag veranstalten lässt. Andererseits ist es halt der Funktionär Neuendorf: ein armseliger, skrupelloser, geldgieriger, egoistischer Mann, dem der Fußball selbst völlig egal ist. Er steht zwar dem mitgliederreichsten Sportverband (heißt es zumindest) der Welt vor, zieht aber nur seinen Schwanz ein, wenn er für diese Mitglieder sprechen müsste. Hat wohl Angst um die FIFA-Fantastilliarden, die er persönlich so einsackt samt bezahlten Luxus-Urlaub in Washington, der Karibik und anderen FIFA-Tagungsstätten.
Trump (mit besonders orangenem Antlitz, wie mir schien) nahm die Ehrehrbietung samt schrecklich-protzig-güldenem Pokal erfreut die Kenntnis („eine meiner schönsten Auszeichnungen“), lobte seinerseits Infantino und freut sich auf die 20 Milliarden Dollar („really, so much?“) Einnahmen, die das Turnier so bringen wird. Erstaunlicherweise hielt er sich relativ kurz und vor allem mit seinen berühmten Anklagen zurück gegen die Vor-Regierung und auch den Mit-WM-Gastgebern (genau, in Mexiko und Kanada finden auch Spiele statt, man konnte es fast übersehen trotz der anwesenden Regeierungs-Chefs).
Zum Schluss die Village People
Garniert wurde der zauberhafte Abend mit Gesangseinlagen von alternden Künstlern: keine Taylor Swift, Rihanna oder andere aktuelle Topstars, dafür die bei Sportereigissen offenbar unvermeidlichen Andrea Bocelli, Robbie Williams und natürlich auch Trumps Lieblinge, die Village People, zu denen er so gerne tanzt (diesmal nicht): Ja, genau die Village People, einst in den 80ern eine aufsässige Schwulen-Band (besser: Liebling der Schwulen), jetzt (fast in derselben Besetzung) die Combo eines (noch dazu besonders reaktionären und schwulenfeindlichen) Präsidenten – wer hätte dies für möglich gehalten. Und als Moderatorin ward tatsächlich die Deutsche (!) Heidi Klum erkoren: sehr blond, sehr offenherzig und neben Co.-Mod. Kevin Hart sehr riesig, oder auch: eine Frau, die bestens in Trumps Frauen-Beuteschema passt …
Ach ja, die Auslosung selbst
Nach mehr als einer Stunde (ich: viel fast forward) erbarmten sich die Kombattanten, schritten zum eigentlichen Zweck der Veranstaltung und führten die 48 Endrunden-Teilnehmer in 12 Vierer-Gruppen zusammen, Die „deutsche“ Gruppe mit Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador gilt in der allgemeinen Einschätzung als „leicht“ und „machbar“. Das ist sicher zutreffend, weil es schwieriger hätte kommen können (Norwegen! Italien!!), aber: Immerhin sind die Ivorer amtierender Afrika-Meister und Ecuador wurde in der südamerikanischen Qualifikation starker Zweiter hinter Argentinien, aber klar vor Brasilien, Kolumbien und Uruguay. Und das lag nicht alleinb an den Heimspielen in der 4000 Meter hoch gelegenen Hauptstadt Quito. Außerdem verbietet sich angesichts des jeweils desaströsen Vorrunden-Aus des deutschen Teams 2018 und 2022 ohnehin jeglicher Hochmut.
Ausscheiden ist dieses Mal allerdings noch schwieriger geworden, weil sogar 8 der 12 Gruppendritten die K.-o.-Runde erreichen – die nächste Farce dieser an Farce so reichen Fußball-WM, für die wir jetzt den riechtigen Vorgeschmackk bekommen haben.
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